Magdeburg l Noch vor vier Jahren verdiente ein Wachmann in Sachsen-Anhalt in der unteren Lohngruppe nur 4,70 Euro pro Stunde. Mit der Einführung des Mindestlohns von 8,50 Euro im kommenden Jahr wird sich sein Gehalt fast verdoppeln. Der Bundesverband der Sicherheitswirtschaft (BDSW), der in Sachsen-Anhalt 30 von 150 privaten Sicherheitsfirmen vertritt, begrüßt die von der Politik geplanten Lohnerhöhungen. "Wir wollen aus der Schmuddel-Ecke raus", sagte BDSW-Präsident Gregor Lehnert am Mittwoch in Magdeburg. Die Arbeit von Sicherheitsbediensteten sei anspruchsvoll und müsse auch entsprechend entlohnt werden.

"Wir können mit ungelernten Mitarbeitern nicht Fabriken im Wert von mehreren Millionen Euro schützen", so Lehnert. Auch das Absichern von Fußballspielen fordere den Angestellten viel ab. "Und wer als Arbeitgeber niedrige Löhne zahlt, bekommt in Zeiten des Fachkräftemangels kein qualifiziertes Personal mehr". In Sachsen-Anhalt arbeiten 5000 Beschäftigte für private Sicherheitsdienste, jeder zweite von ihnen verdient weniger als 8,50 Euro. Das soll sich ändern: Mit der Gewerkschaft Verdi hat der BDSW ausgehandelt, dass die Tariflöhne von derzeit 7,50 Euro auf 8,15 Euro zum 1. Juli steigen sollen. Ab 2015, mit Inkrafttreten des Mindestlohns, sollen neben den gesetzlich vorgeschriebenen 8,50 weitere 10 Cent mehr pro Stunde gezahlt werden.

Für Firmen, die private Sicherheitsdienste engagieren, bedeuten die Lohnerhöhungen kräftige Kostensteigerungen, denn die Sicherheitsfirmen müssen ihre Preise erhöhen. Der BDSW bleibt hier aber gelassen: "Viele Kunden haben Verständnis dafür", meint Gregor Lehnert. Die Kosten könnten nur dadurch gedämpft werden, dass weniger Personal und mehr Sicherheitstechnik zum Einsatz kommt. Der Spielraum für Personalabbau ist laut Lehnert aber häufig sehr klein.

BDSW-Geschäftsführer Harald Olschok geht davon aus, dass der Markt für Sicherheitsdienstleistungen in den kommenden Jahren weiter wächst. 120 Millionen Euro macht die Branche in Sachsen-Anhalt Umsatz, bundesweit sind es 12 Milliarden Euro. Private Dienste könnten laut Olschok verstärkt auch Aufgaben übernehmen, für die derzeit noch die Polizei zuständig ist, unter anderem das Begleiten von Schwertransporten.

 

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