Die Europäische Zentralbank (EZB) hat wegen des niedrigen Eurokurses von unter 1,36 Dollar und der stark gesunkenen Inflationsrate in einigen europäischen Ländern am Donnerstag erwartungsgemäß nicht nur den Leitzinssatz auf das Rekordtief von 0,15 Prozent gesenkt, sondern auch weitere geldpolitische Lockerungsmaßnahmen beschlossen. Tatsächlich ging es mit der Inflationsrate zuletzt rapide bergab: Im Mai schrumpfte die jährliche Teuerungsrate hierzulande von 1,3 Prozent im Vormonat auf 0,9 Prozent und damit auf den niedrigsten Wert seit Juni 2010 - mit einer Reaktion der EZB war also zu rechnen.

Kaum war der Zinsentscheid bekannt, ging es im Dax nach oben. Erstmals in seiner Geschichte schaffte das deutsche Leitbarometer den Sprung über die Marke von 10000 Punkten. Nachdem dieses Ziel nun erreicht ist, könnte das deutsche Leitbarometer Ende des Jahres bei 11000 Zählern stehen. Das ist zugegebenermaßen sehr optimistisch, aber auch nicht unwahrscheinlich. Nicht nur die blühende Konjunktur in Deutschland, sondern auch die weltweite Beschleunigung des Wirtschaftswachstums und das in der Eurozone mögliche Jahresplus von 1,1 Prozent sprechen dafür. Analysten schätzen, dass die Gewinne der im Dax notierten Unternehmen 2014 um 7,5 Prozent und in den nächsten zwölf Monaten sogar um 12,5 Prozent steigen. Legen die Gewinne tatsächlich den Schätzungen entsprechend zu, ist allein für das restliche Jahr ein Gewinn von 830 Punkten im Dax möglich - und damit wären wir dann sehr dicht an der Marke von 11000 Zählern. Die restlichen Punkte bis zum großen Ziel wären in einer Jahresendrally durchaus erreichbar.

Waghalsige Prognose hin oder her: An Aktien kommt derzeit niemand mehr vorbei, das dürften auch die letzten Zweifler begriffen haben. Vor etwas mehr als fünf Jahren war das noch völlig anders. Im März 2009 war die Finanzkrise auf ihrem Höhepunkt angelangt. Niemand wollte mehr etwas von Aktien wissen. Der Dax rutschte bis auf rund 3590 Punkte ab. An dieser Stelle hieß es damals: Jetzt ist der optimale Moment, um Aktien zu kaufen. Seitdem ging es - einzig unterbrochen von der europäischen Schuldenkrise - im Grunde stetig bergauf. Mut und Ausdauer zahlen sich an der Börse eben aus. Übrigens auch jetzt noch.