Düsseldorf (AFP) l Das insolvente Windparkunternehmen Prokon hat einem Bericht zufolge eine unzulängliche Rechnungslegung betrieben. Ein wirksames Controlling oder eine Übersicht über die erwarteten Einnahmen- und Ausgabeströme habe es nicht gegeben, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf das gerichtliche Insolvenzgutachten.

Erhebliche Teile der Kunden- und Anlegerakten hätten sich im Rahmen einer Umstellung auf die elektronische Erfassung offen und unsortiert in Kisten befunden. Zudem sei das Datensystem nicht zertifiziert gewesen.

Dem Bericht zufolge gab es bei Prokon zudem fragwürdige Ausgaben. Es seien ungesicherte Kredite in Höhe von mehreren Millionen Euro an eine Ölmühle und an einen Holzverarbeiter geflossen, berichtete das "Handelsblatt" weiter aus dem Insolvenzgutachten. Als Firmenflugzeug sei eine Turboprop-Cessna im Wert von einer Million Euro gewählt worden, die aber für längere Geschäftsflüge kaum geeignet gewesen sei. Prokon-Gründer Carsten Rodbertus habe den Flieger vor allem für sein Hobby Fallschirmspringen benutzt.

Prokon war im Januar in die Insolvenz gerutscht. Die Firma hatte sich durch den Verkauf sogenannter Genussrechte im Wert von 1,4 Milliarden Euro an rund 75000 Anleger finanziert.