Die deutschen Aktienindizes haben sich zum Wochenausklang wegen eines US-Feiertags und mangels marktbewegender Daten relativ träge präsentiert. Immerhin pendelte der Dax wieder um die am Donnerstag überwundene, psychologisch bedeutsame Marke von 10000 Punkten. Nach dem starken Anstieg der vergangenen Tage ist die Pause nicht weiter verwunderlich.

Insgesamt ist im Dax der Weg frei zu neuen Rekordständen. Die zuletzt belastenden Krisen in der Ukraine und im Irak spielen momentan kaum noch eine Rolle an den Märkten. Für gute Stimmung hatten dagegen am Donnerstag die Ergebnisse der Ratssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) und aktuelle Daten vom US-Arbeitsmarkt gesorgt. Dort lag der Stellenaufbau im Juni deutlich über den Prognosen, die Arbeitslosenquote sank auf 6,1 Prozent. Das ist der niedrigste Stand seit rund sechs Jahren. Erstmals übersprang der US-Börsenindex Dow Jones daraufhin die Marke von 17000 Punkten - und zog auch den Dax wieder in den fünfstelligen Bereich.

Erstaunlich ist, wie gut sich seit Jahresbeginn die Aktien klassischer Energieversorger entwickelt haben. Obwohl Konzerne wie RWE wegen der Energiewende zum ersten Mal seit vielen Jahrzehnten in die Verlustzone gerutscht sind, legen ihre Aktien seit Monaten zu - RWE beispielsweise um mehr als 20 Prozent. Vielleicht ist das nur die Gegenbewegung nach den herben Kursverlusten im vergangenen Jahr, möglicherweise spekulieren Anleger aber auch darauf, dass die Bundesregierung den großen Versorgern schon bald unter die Arme greift. Heiß diskutiert wird etwa momentan der sogenannte "Kapazitätsmarkt". Weil Wind- und Sonnenenergie tageszeit- und witterungsbedingt nicht immer zur Verfügung stehen, sollen die Versorger zusätzliche Prämien erhalten, wenn sie mit Gas- und Kohlekraftwerken die Stromlücken füllen. Daraus könnte sich, so Analysten, mit Fortschreiten der Energiewende ein lukratives Geschäftsmodell für die Energiekonzerne entwickeln. Nachteil: Die Reservekraftwerke stoßen Kohlendioxid aus. Bereits seit einigen Jahren steigen die Emissionen in Deutschland wegen der benötigten Reserveenergie - Energiewende paradox. Die Politik könnte daher nicht gewillt sein, einen Kapazitätsmarkt künftig tatsächlich zu unterstützen. Für Anleger bleiben Aktien von Versorgern somit ein heißes Eisen.