Magdeburg (dpa) l Das Gastgewerbe Sachsen-Anhalts hat sich von den geschäftlichen Einbrüchen des vergangenen Jahres erholt. Im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa spricht der Vizepräsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt des Hotel- und Gaststättenverbandes Dehoga, Michael Pirl (46), über die Gründe. Der gelernte Koch ist geschäftsführender Gesellschafter des Ringhotels "Zum Stein" in Oranienbaum-Wörlitz.

Wie ist es um die Umsätze im ersten Halbjahr 2014 bestellt?

Michael Pirl: Wir hatten im Gegensatz zum Vorjahr einen guten Start. Erst ein kurzer Winter, dann ein zeitiges Frühjahr und schließlich die Fußballweltmeisterschaft. Die genauen Zahlen liegen zwar noch nicht vor, aber nach unserer Einschätzung liegen die Umsätze in den ersten sechs Monaten 2014 etwa fünf bis sechs Prozent über denen des Vergleichszeitraumes im Vorjahr.

Dennoch haben die Gastronomen Sorgen. Warum?

Steigende Umsätze lassen nicht pauschal auf eine höhere Wirtschaftlichkeit schließen. So sind die Einkaufspreise für Lebensmittel, aber auch die Preise für Strom und die Personalausgaben gestiegen.

Wie wird sich der Mindestlohn von 8,50 Euro pro Stunde ab dem Jahr 2015 auf die Branche auswirken?

Das ist eine große Belastung. Zurzeit liegt der Stundenlohn bei der niedrigsten Gruppe - also für Hilfs- und Reinigungskräfte - bei 7,87 Euro. Der Lohnsprung ist schon enorm und muss erst einmal erwirtschaftet werden.

Wird sich das auf die Preise auswirken?

Das lässt sich nicht pauschal sagen. Aber mit ziemlicher Sicherheit auf die Preise von Essen in Kindereinrichtungen und Schulen, denn auch Cateringfirmen, in denen auch viele Hilfskräfte arbeiten, müssen ja den Mindestlohn zahlen.

Die Dehoga hat in Sachsen-Anhalt etwa 800 Mitgliedsbetriebe. Insgesamt gibt es im Land 5000 bis 6000 Unternehmen im gastronomischen Bereich. Die Spanne reicht vom Imbissstand bis zur Luxusherberge.