Magdeburg l Aus den Berechnungen der Statistiker in Halle geht hervor, dass das Bruttoinlandsprodukt (BIP) Sachsen-Anhalts im Jahr 2012 um 2,8 Prozent zugelegt hat. Das BIP gibt den Gesamtwert aller Güter, Waren und Dienstleistungen an, die innerhalb eines Jahres produziert werden. Beachtlich ist, dass die elf Kreise mit einem Plus von 1,2 Milliarden Euro deutlich mehr zum BIP-Ergebnis beigetragen haben als die drei kreisfreien Städte mit 0,2 Milliarden Euro.

Solar-Branche hat sich von der Krise erholt


Einen besonders starken Wachstums-Schub verzeichnete der Landkreis Anhalt-Bitterfeld, hier fiel das Plus mit 8,8 Prozent mehr als doppelt so hoch wie im Landesdurchschnitt aus. "Wir verzeichnen hier vor allem eine nachholende Entwicklung", erklärt Armin Schenk, Chef der regionalen Wirtschaftsförderungsgesellschaft. Die Krise der Solar-Branche mit mehreren Firmenpleiten habe sich in den Jahren zuvor negativ ausgewirkt - nun gehe es wieder aufwärts. "Zu dem Wachstums-Schub haben aber auch Investitionen beigetragen", betont Schenk. 2011 seien 175 Millionen Euro an öffentlichen Fördergeldern in die Wirtschaft des Kreises geflossen, 2012 weitere 115 Millionen Euro. Außerdem hätten mehrere Unternehmen ihre Produktion auf eigene Rechnung erweitert. "Das musste sich früher oder später auch im Wachstum niederschlagen", so Schenk.

Kräftigen Zuwachs verzeichnet auch der Altmarkkreis Salzwedel. Landrat Michael Ziche sieht allerdings auch hier in dem Plus von 4,3 Prozent keinen Ausdruck wirtschaftlicher Stärke. "Es handelt sich vielmehr um einen Ausgleich der Verluste aus der Wirtschafts- und Finanzkrise im Jahr 2007", sagt Ziche.

Nähe zu Volkswagen wirkt sich positiv aus


Die Wirtschaft im Kreis zeichnet sich dadurch aus, dass sie schon länger nicht mehr nur landwirtschaftlich geprägt ist. Nur noch vier Prozent tragen Agrar-Betriebe zum Bruttoinlandsprodukt bei. "Über die Jahre haben wir viele Unternehmen angesiedelt, vor allem im Automobil-Bereich ist aufgrund der Nähe zu Volkswagen in Wolfsburg viel dazugekommen", erklärt Ziche.

Zum positiven Wachstums- trend hätten aber auch die landwirtschaftlichen Betriebe beigetragen. "In den vergangenen Jahren haben die Landwirte oft unter niedrigen Milchpreisen gelitten - die Preise haben sich aber mittlerweile wieder normalisiert." Gut aufgestellt ist neben dem Altmarkkreis Salzwedel auch der Landkreis Börde. Zum Plus von 4,1 Prozent haben auch hier Neuansiedlungen und Erweiterungen von Unternehmen beigetragen, erklärt Kreis-Sprecher Uwe Baumgart.

Produzierendes Gewerbe in Magdeburg schwächelt


Rückgrat der Wirtschaft seien zudem die großen Arbeitgeber wie K+S Kali in Zielitz, der Otto-Versand in Haldensleben oder die zu Hexal gehörende Pharma-Firma Salutas. "Allein zwischen 2007 und 2012 sind mehr als 2000 hochwertige Arbeitsplätze hier im Kreis entstanden", so Baumgart.

Verhalten fielen die Wachstumsraten 2012 jedoch in den kreisfreien Städten aus. Jeweils entscheidend fürs Wachstum ist die Entwicklung der Industrie gewesen. Dessau-Roßlau konnte mit einem Wachstums-Plus von 2,8 Prozent den Landesschnitt erreichen, weil das produzierende Gewerbe deutlich zulegen konnte. In der Landeshauptstadt Magdeburg musste die Branche hingegen Einbußen hinnehmen, weshalb das Wachstum mit 1,4 Prozent deutlich niedriger ausfiel. Das geringste Wachstum wies 2012 der Landkreis Jerichower Land mit 0,4 Prozent aus.

Wirtschaftskraft im Saalekreis am höchsten


Nach den Zahlen des Statistischen Landesamtes erwirtschaftete ein Erwerbstätiger über das Jahr ein Bruttoinlandsprodukt von 52318 Euro. Auch bei der Wirtschaftskraft pro Kopf gab es zum Teil große Unterschiede. Während ein Erwerbstätiger im Saalekreis auf 65533 Euro kam, betrug die BIP-Leistung eines Erwerbstätigen in Halle lediglich 47304 Euro. Deutlich geringere Werte wiesen neben Halle auch die Kreise Harz und Mansfeld-Südharz auf. Hier lag die Wirtschaftskraft pro Kopf bei 49148 Euro und bei 49380 Euro. Schwach schnitt zudem Magdeburg ab. Auch hier lag das BIP pro Kopf nur bei 49537 Euro.

Die Daten zum Wirtschaftswachstum beruhen auf den Berechnungen des Arbeitskreises "Volkswirtschaftliche Gesamtrechnungen der Länder", dem auch das Statistische Landesamt angehört.