Von der einen Staatspleite in die nächste

23. Dezember 2001: Argentinien erklärt sich für zahlungsunfähig. Damit nimmt die bislang größte Staatspleite der zeitgenössischen Geschichte ihren Lauf.

3. März 2005: Erste Umschuldung: Für 76 Prozent der ausstehenden Forderungen gibt es einen Schuldenschnitt.

3. Januar 2006: Argentinien zahlt dem Internationalen Währungsfonds (IWF) die gesamten Anleihe-Schulden von 9,5 Milliarden Dollar zurück.

23. Juni 2010: Zweite Umschuldung: Damit sind 92,4 Prozent der ausstehenden Schulden mit erheblichen Verlusten für die Anleger umstrukturiert.

22. November 2012: Der New Yorker Richter Thomas Griesa verurteilt Argentinien, bis zum 15. Dezember 1,3 Milliarden Dollar plus Zinsen an die Hedgefonds NML Capital und Aurelius für Anleihen zu zahlen.

29. Mai 2014: Argentinien einigt sich mit den staatlichen Gläubigern ("Pariser Club") auf die Rückzahlung von 7,2 Milliarden Dollar.

16. Juni 2014: Argentinien scheitert mit einer Berufung vor dem Obersten Gerichtshof der USA. Damit steht Griesas Urteil.

30. Juni 2014: Weil Griesa Argentinien untersagt, andere Anleihen zu bedienen, bis die Schulden bei den Hedgefonds beglichen sind, kann das Land Zinsen nicht bezahlen.

30. Juli 2014:Argentinien schafft es nicht, sich innerhalb der dreißigtägigen Frist mit den Hedgefonds zu einigen. (dpa)

Buenos Aires (epd) l Zum zweiten Mal in seiner Geschichte ist Argentinien bankrott. Die letzte Gesprächsrunde im Schuldenstreit zwischen der argentinischen Regierung und zwei US-Hedgefonds ging am Mittwochabend (Ortszeit) ergebnislos zu Ende. Zwei Hedgefonds hatten vor einem US-Gericht erfolgreich auf Erfüllung der Forderungen in Höhe von 1,3 Milliarden Dollar geklagt. Die Frist für eine Einigung lief Mittwoch um Mitternacht New Yorker Zeit ab.

Argentiniens Regierung beschuldigt die USA, verantwortlich für die Lage zu sein. Kabinettschef Jorge Capitanich kündigte an, Argentinien werde eine Klage vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag prüfen, um gegen das Urteil des New Yorker Richters Thomas Griesa vorzugehen. Es sei absurd, dass Argentinien als zahlungsunfähig eingestuft werde. Richter Griesa stehe im Dienst der Geierfonds ebenso wie der Vermittler Daniel Pollack, der im Auftrag des Gerichts zwischen den US-Hedgefonds und der argentinischen Regierung vermitteln sollte.

Argentinien hätte eine Einigung mit den Hedgefonds erzielen müssen, damit Richter Griesa blockierte Zahlungen an andere Gläubiger freigibt. Da die Zahlungen bis zum Ablauf der Frist nicht erfolgten, wird das Land als zahlungsunfähig eingestuft. Die Ratingagentur Standard Poor`s hatte argentinische Schuldverschreibungen bereits nach dem New Yorker Bankenschluss am Nachmittag auf "partieller Zahlungsausfall" herabgesetzt. Argentiniens Wirtschaftsminister Axel Kicillof erklärte: "Es wurde verlangt, dass wir mehr zahlen als den übrigen Gläubigern, dies kann der argentinische Staat nicht tun."