Magdeburg l Kinder haben eine große Fantasie, die selbst Spielzeug zum Leben erwecken kann. Ein Magdeburger Unternehmen gibt diesen Kinderträumen ein Gesicht. "Tinkertoys ist der Spielzeugladen der Zukunft", sagt Unternehmensgründer Sebastian Friedrich. Bei Tinkertoys entwerfen die Kinder ihr Spielzeug am Computer. Durch 3D-Drucker wird der Entwurf greifbar.

"Der Kreativität der Kinder sind keine Grenzen gesetzt", erklärt der Absolvent der Universität Magdeburg. Rechtzeitig zum Weihnachtsgeschäft soll die Internetseite fertig sein. Dann entwerfen die Kinder ihre Spielfigur zu Hause am Computer. In der Filiale in Leipzig wird die Idee mit einem 3D-Drucker gefertigt. Je nach Größe dauert das mehrere Stunden. Das Lieblingsspielzeug wird nach Gramm bezahlt. Eine 20 Zentimeter große Figur kostet 30 Euro.

Das Unternehmen Tinkertoys entstand im März aus dem FabLab der Universität Magdeburg. Dort entwickeln Studenten Ideen und können sie dann per 3D-Drucker verwirklichen. Sebastian Hichert und Georg Heinicke betreuen das Projekt.

"Der 3D-Drucker funktioniert ungefähr wie eine große Heißklebepistole", sagt Sebastian Hichert. Schicht um Schicht setzt der Druckkopf das Modell auf der Bauplattform auf (siehe Grafik). Das Rohmaterial - ein wiederverwertbarer Kunststoff - ist auf einer Spule aufgewickelt. Es wird erhitzt und verarbeitet.

Auch an der Hochschule Magdeburg-Stendal im Studiengang Industrial Design sind 3D-Drucker ein zentraler Bestandteil der Lehre. Laboringenieur Jörg Schröder entwirft zusammen mit Studenten Prototypen und lässt sie drucken. 130000 Euro kostet der Industrie-3D-Drucker der Hochschule. Der 50-Jährige nutzt die teure Technik seines Labors aber auch, um heimischen Unternehmen zu helfen. So hat eine Magdeburger Wohnungsgenossenschaft jüngst ein Ersatzteil für ein Fenster bei ihm bestellt. "Den Hersteller gab es nicht mehr. So konnten keine Ersatzteile beschafft werden", erklärt Schröder. Kurzerhand entwarf er ein Modell, druckte den Prototypen. "Ich habe das Design leicht verändert. Jetzt ist das Teil stabiler", so Schröder.

Georg Heinicke vom FabLab hat in seiner Wohnung einen eigenen 3D-Drucker. Die Technik ist erschwinglich geworden. Einsteigergeräte gibt es ab 500 Euro. Auf Internetplattformen tauschen Tüftler 3D-Modelle aus. "Von Handyschalen über Flaschenöffner bis zu Ersatzteilen für Staubsauger gibt es dort alles", erklärt Heinicke. Künftig, so stellen es sich die Studenten vor, können Menschen Dinge am Computer entwerfen und direkt vom heimischen Drucker fertigen lassen. Manche Experten prophezeien gar eine Revolution auf weltwirtschaftlicher Ebene. Transportwege für Waren könnten so überflüssig werden. Meinung

 

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