Berlin (dpa) l Sinkende Preise für Lebensmittel nach dem russischen Importverbot machen den Landwirten in Deutschland zunehmend zu schaffen. Der Deutsche Bauernverband warf Handelsketten vor, den Importstopp zulasten der Erzeuger auszunutzen. Die Agrarminister der Länder befürchten einen Preisverfall. Auf EU-Ebene wird über das Thema an diesem Freitag bei einem Sondertreffen der Agrarminister in Brüssel beraten.

Russland hatte als Reaktion auf EU- und US-Sanktionen in der Ukraine-Krise eigene Strafmaßnahmen gegen den Westen verhängt und die Einfuhr von Lebensmitteln gestoppt - darunter Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch und Milchprodukte. Durch die weggefallenen Exportmengen landen mehr Produkte auf dem europäischen Markt, was wiederum den Druck auf die Erzeugerpreise erhöht.

Es deute sich ein Überangebot an Schweinefleisch, Obst und Gemüse sowie Molkereierzeugnissen an, sagte der Sprecher des Brandenburger Agrarministeriums, Jens-Uwe Schade. Brandenburg hat den Vorsitz in der noch bis Freitag in Potsdam tagenden Konferenz der Agrarminister von Bund und Ländern.

Der Discounter Aldi hatte am Montag den Preis für 250 Gramm Butter von 99 auf 85 Cent gesenkt. Weitere Lebensmittelhändler zogen nach. Dies belaste die Landwirte, warnte der Deutsche Bauernverband. Die Betriebe seien unverhofft und unverschuldet in Schwierigkeiten geraten.

Der Bauernverband warf Handelsketten vor, den russischen Importstopp nach Russland auszunutzen. Den Kürzeren zögen dabei vor allem die Erzeuger. "Die aktuelle Verunsicherung der Märkte wird genutzt, um Einkaufspreise zu optimieren", sagte Generalsekretär Bernhard Krüsken der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Er appellierte an die Unternehmen, die Landwirte mit den negativen Auswirkungen nicht alleine zu lassen.

Der Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels (BVLH) wehrte sich gegen die Vorhaltungen des Bauernverbands: "Diese Pauschalkritik weisen wir entschieden zurück", sagte Christian Böttcher vom BVLH. Er wies darauf hin, dass gerade der Preis für Milch und Molkereiprodukte sehr stark schwanke. Noch vor einigen Monaten habe es Klagen über massive Preissteigerungen gegeben. Die jetzige Preisentwicklung bewege sich daher im Rahmen. "Außerdem wollen wir auch nicht, dass als Folge der Krise Lebensmittel vernichtet werden", so Böttcher.

Nach Schätzungen der EU betrifft der russische Bann Waren im Wert von rund fünf Milliarden Euro. Die EU-Kommission ist bereits mehreren Erzeugergruppen zu Hilfe geeilt. Sie will einen Einbruch der Preise durch Überangebot auf den europäischen Märkten verhindern.