Nicht die erste juristische Niederlage der Tester

Januar 1999: Im Streit um einen Lebensversicherer-Vergleich unterliegt die Stiftung vor dem Landgericht Hamburg. Der Versicherer Neue Leben setzt durch, dass sein in "Finanztest" veröffentlichtes Bewertungsergebnis "zufriedenstellend" nicht mehr verbreitet werden darf. Wegen einer neuen Bewertungsmethode war Neue Leben von "gut" auf "zufriedenstellend" gerutscht.

Dezember 1985: Die Stiftung Warentest darf die Bewertung einer Elektrozahnbürste mit Munddusche nicht länger verbreiten. Unter anderem seien Testabläufe irreführend und unvollständig wiedergegeben worden, urteilt das Oberlandesgericht München. (dpa)

München (dpa) l Der Schokoladenhersteller Ritter Sport hat den Rechtsstreit mit der Stiftung Warentest um die schlechte Bewertung seiner Nuss-Schokolade endgültig gewonnen. Vor dem Oberlandesgericht München scheiterten die Tester am Dienstag mit dem Versuch, ein früheres Urteil gegen sie aufheben zu lassen. Somit darf die Stiftung in ihrem Schokoladentest Ritter Sport weiterhin keine irreführende Kennzeichnung eines Vanillearomas vorwerfen.

In dem Test von Vollmilch-Nuss-Schokoladen hatten die Prüfer der Ritter-Sport-Tafel die Note fünf gegeben, weil die Schokolade das Aroma Piperonal enthalte, das künstlich hergestellt worden sei, was Ritter Sport bestreitet. Der Hersteller hatte eine einstweilige Verfügung gegen die Behauptung erreicht. Seitdem ist die Passage über Ritter Sport im Testbericht geschwärzt - so muss es nach der Entscheidung des Oberlandesgerichts nun auch bleiben.

Ob das Aroma tatsächlich natürlich ist oder chemisch hergestellt sei, konnte das Gericht nicht klären. Entscheidend für den Prozess sei vielmehr die Frage gewesen, wie die Stiftung Warentest die Verbraucher über ihre Testmethode informiert habe. Die Vorsitzende Richterin Eva Spangler warf der Stiftung Warentest unwahre Behauptungen vor: Denn der Testbericht erwecke bei vielen Lesern den Eindruck, dass die Warentester das künstliche Vanillearoma Piperonal in der Schokolade von Ritter Sport chemisch nachgewiesen hätten. Diese Behauptung sei aber nicht richtig, da es sich nur um eine Schlussfolgerung der Warentester gehandelt habe. Eine Revision gegen die Entscheidung ist nicht möglich.

Für die Stiftung Warentest ist die endgültige Niederlage in dem Rechtsstreit ein schwerer Schlag, da sie bei ihren Testergebnissen auch von ihrem guten Ruf profitiert, den sie sich in 50 Jahren erarbeitet hat. Gerade wegen der immensen Bedeutung der Testberichte müsse die Stiftung Warentest ihre Worte besonders sorgsam wählen, mahnte die Richterin.

Warentest argumentierte hingegen, das Piperonal in der Schokolade von Ritter Sport müsse künstlich hergestellt worden sein, da kein natürliches Verfahren zur Gewinnung des Aromas bekannt sei. Ritter Sport hatte von Anfang an versichert, dass es sich bei dem Aromastoff Piperonal um ein natürliches Aroma handelt und beruft sich auf eine Garantieerklärung des Aromenherstellers Symrise. Die Firma aus Holzminden hatte vor Gericht eine eidesstattliche Versicherung abgelegt, dass das Aroma natürlichen Ursprungs sei. Unter anderem komme es in Pfeffer oder Dill vor.