Magdeburg l Die Arbeitslosigkeit in Sachsen-Anhalt soll im Jahr 2015 überdurchschnittlich stark zurückgehen. Das geht aus den Prognosen des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hervor, die am Mittwoch veröffentlicht wurden.

Über das Jahr 2015 gerechnet gehen die Forscher des IAB davon aus, dass die Zahl der Arbeitslosen bei 123800 liegen könnte. Derzeit liegt sie bei 125600. Mit dem prognostizierten Rückgang um 1,4 Prozent würde die Arbeitslosigkeit zwischen Arendsee und Zeitz stärker sinken als im Bundesdurchschnitt. Für Ostdeutschland erwarten die Forscher einen Rückgang um 1,1 Prozent, deutschlandweit rechnen sie mit 0,8 Prozent.

Leicht ansteigen könnte die Zahl der Beschäftigten. In Sachsen-Anhalt könnte sie um 4200 auf durchschnittlich 778500 Frauen und Männer steigen. Das entspricht einem Anstieg um 0,5 Prozent. Für Ostdeutschland rechnen die IAB-Experten mit einem deutlich stärkeren Beschäftigungswachstum von 1,3 Prozent, für Gesamtdeutschland mit einem Wachstum von 1,4 Prozent.

Die Entwicklungen bei der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigung zeigen, dass sich der Bevölkerungsrückgang in Sachsen-Anhalt bemerkbar macht: Einerseits gibt es vergleichsweise deutlich weniger Menschen ohne Job, andererseits fällt das Beschäftigungswachstum geringer aus als bundesweit. Das Wirtschaftswachstum, das die Entwicklungen sonst maßgeblich beeinflusst, spielt in diesem Fall nur eine untergeordnete Rolle. Denn die Arbeitsmarktforscher gehen in ihren Prognosen nur von einem relativ schwachen Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) von etwa 1,4 Prozent aus.

Kay Senius, Chef der Arbeitsagenturen in Sachsen-Anhalt, kommentierte die Prognosen der IAB-Forscher am Mittwoch zunächst positiv: "Der Arbeitsmarkt in Sachsen-Anhalt hat sich in den letzten Jahren auch bei wirtschaftlichen Krisen relativ robust gezeigt. Diese Robustheit und demografische Einflüsse werden die Arbeitslosigkeit auch im Jahr 2015 sinken lassen." Senius fand aber auch mahnende Worte: "Unser Augenmerk muss ganz besonders auf langzeitarbeitslose Menschen gerichtet sein, die von dieser guten Entwicklung zu wenig profitieren."

Derzeit finden im Schnitt nur 15 von 1000 Langzeitarbeitslosen in Sachsen-Anhalt eine Stelle. Oftmals handelt es sich auch nur um Aushilfstätigkeiten, die an Betroffene vermittelt werden.