Sangerhausen l Die Lage beim insolventen Fahrradhersteller Mifa in Sangerhausen spitzt sich weiter zu. Statt die Rettung des angeschlagenen Unternehmens voranzutreiben, liefern sich die Gläubiger und der Aufsichtsrat einen heftigen Machtkampf.

Bereits am Dienstag beantragten die Gläubiger beim Insolvenzgericht in Halle, die Eigenverwaltung aufzuheben und einen Insolvenzverwalter zu bestellen. Zu groß war bei den Gläubigern das Misstrauen gegenüber Vorstand und Aufsichtsrat, die Sanierung der Mifa aus eigener Kraft zu gestalten.

Das Gericht in Halle gab dem Antrag statt und berief den Hallenser Rechtsanwalt Lucas Flöther als Insolvenzverwalter. Er war zuvor schon für die Mifa als Berater tätig und sollte nun die Rettung des Unternehmens mit den beiden Vorständen Stefan Weniger und Thomas Mayer vorantreiben.

Der nächste Paukenschlag ließ jedoch nicht lange auf sich warten: Am Donnerstagvormittag, erklärte der Mifa-Aufsichtsrat, Stefan Weniger werde mit sofortiger Wirkung aus dem Vorstand abberufen, der amtierende Vorstandsvorsitzende Thomas Mayer sei damit bis auf Weiteres Alleinvorstand.

Über die Gründe für die Entscheidung schwieg der Aufsichtsrat. Aus Unternehmenskreisen hieß es zunächst, Stefan Weniger solle ohne Vorstandsmandat im Unternehmen verbleiben und an der Sanierung weiter mitwirken. Weniger war für diese Aufgabe erst im April ins Unternehmen geholt worden. Noch kürzer ist die Amtszeit von Thomas Mayer bei der Mifa. Er ist erst seit einer Woche Vorstandschef, wurde Mitte September vom Aufsichtsrat als Nachfolger von Hans-Peter Barth berufen - ebenfalls mit dem Auftrag, die Mifa zu retten.

Mit dem von den Gläubigern durchgesetzten Insolvenzverwalter Lucas Flöther sprach der Aufsichtsrat seine Personalentscheidung bezüglich des Vorstandes aber offenbar nicht ab. Nachdem sich Flöther am Donnerstagnachmittag mit den Gläubigern der Mifa am Flughafen Halle-Leipzig getroffen hatte, um über die Zukunft des Unternehmens zu beraten, revidierte der Rechtsanwalt die erst am Morgen getroffene Entscheidung des Aufsichtsrates. Flöther erklärte, er übernehme ab sofort "alle operativen Geschäftsaufgaben des Vorstandes in Alleinregie". Er mache damit von seiner Stellung als "starker" vorläufiger Verwalter Gebrauch, die ihm das zuständige Insolvenzgericht bei seiner Bestellung zugesprochen habe.

Flöther ließ in seiner Erklärung auch durchblicken, dass er nichts von den Entscheidungen des Aufsichtsrates hält: "Ich bedauere es sehr, dass Dr. Weniger durch den Aufsichtsrat als Vorstand abberufen wurde, muss diese Entscheidung aber respektieren", schrieb Flöther. "Wir haben im Hinblick auf den Investorenprozess und die Betriebsfortführung äußerst professionell zusammengearbeitet."

Das war aber noch nicht alles. Der Insolvenzverwalter erklärte, er wolle den vom Aufsichtsrat geschassten Vorstand Stefan Weniger als Berater beibehalten. Und: Er "hält es nicht für nötig, dem erst seit einer Woche im Amt befindlichen Vorstand Thomas Mayer operative Aufgaben zu überlassen". Für den Moment scheint es offenbar so, als ob Flöther nun der neue starke Mann ist und mit Weniger nur noch einer der Vorstände überhaupt Anteil an den Sanierungsbemühungen der Mifa haben wird.

Trotz der heftigen Machtkämpfe gibt es aber auch hoffnungsvolle Nachrichten für die 600 Mifa-Beschäftigten. Das Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt bestätigte der Volksstimme, dass es zwei Investoren gibt, die Interesse am Fahrradhersteller haben. Flöther erklärte hierzu, dass es bereits Gespräche gegeben hat. "Mein oberstes Ziel ist weiter der Erhalt des Unternehmens und möglichst vieler Arbeitsplätze durch die Übertragung des Geschäftsbetriebs auf einen Investor." Zu den Erfolgschancen wollte sich der Insolvenzverwalter nicht weiter äußern.

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