Berlin (AFP) l Moderne Dieselautos belasten die Umwelt stärker als bislang angenommen. Diesel-Pkw stießen im Durchschnitt etwa sieben Mal so viel Stickoxide aus wie nach der EU-Norm Euro 6 erlaubt, heißt es in einer Studie des Forschungsinstituts International Council on Clean Transportation (ICCT). Stickoxide werden als gesundheitsschädlich eingestuft und können zu Atemwegserkrankungen führen.

Die Forscher testeten nach eigenen Angaben 15 moderne Diesel-Fahrzeuge von unterschiedlichen Herstellern, die namentlich nicht genannt wurden. Fahrzeuge dürfen nach der Euro-6-Norm nicht mehr als 80 Milligramm Stickoxide pro Kilometer ausstoßen; die getesteten Pkw stießen demnach im Schnitt 560 Milligramm pro Kilometer aus. Benzin-Autos erfasste die Studie nicht, da sie meist die Grenzwerte für Stickoxide einhalten.

"Der überwiegende Teil der beobachteten Überschreitungen konnte weder `extremen` noch `untypischen` Fahrsituationen zugeordnet werden", heißt es in der Studie. So seien etwa bei leichten Steigungen im Alltagsbetrieb stark erhöhte Stickoxid-Emissionen gemessen worden. Einige der getesteten Fahrzeuge hätten aber auch Emissionen unterhalb der EU-Norm aufgewiesen. Dies weise darauf hin, dass "die Technologien für saubere Diesel-Pkw bereits heute existieren", teilen die Forscher mit.

Für die Studie setzten die Forscher sogenannte PEMS-Messgeräte ein, die den Ausstoß von Pkw im Alltagsbetrieb - also auf der Straße - messen. Im Gegensatz dazu verlangt die EU von Autoherstellern Abgasausstöße bei Neuzulassungen unter Laborbedingungen zu ermitteln. Dies kann zu deutlich veränderten Emissionswerten führen. Das soll sich aber ändern: Derzeit bereitet die Europäische Kommission die Einführung von Straßentests für Pkw-Neuzulassungen vor.

Das ICCT ist eine Non-Profit-Organisation. Dem Institut gehören neben unabhängigen Verkehrsexperten auch Behördenvertreter an.