Ebay-Regeln
Der Online-Marktplatz Ebay setzt enge Grenzen für den Abbruch von Auktionen auf seiner Plattform. Solange es keine Gebote gibt, kann ein Anbieter grundsätzlich die Versteigerung beenden. Danach haben die Verkäufer nur noch wenig Spielraum. Sie können zwar eine Auktion stoppen, müssen dann aber den Artikel an den Höchstbietenden verkaufen.
Auch wenn die bisherigen Gebote unter dem gewünschten Mindestpreis liegen, ist das laut Ebay-Regeln keine Rechtfertigung für einen Abbruch einer Auktion.
Eine Ausnahme ist, wenn es dem Verkäufer "unverschuldet unmöglich" ist, den Artikel dem Käufer zu übergeben. Also etwa wenn er gestohlen oder unverschuldet zerstört oder beschädigt wurde.
Ebay weist darauf hin, dass Verkäufer nicht zum Abbruch eines Angebots berechtigt sind, wenn sie den Artikel "anderweitig verkaufen, verschenken oder sonst weitergeben" wollen. Auch wenn man nicht mehr verkaufen will, sei das kein Grund. Der Konzern weist ausdrücklich auf die Möglichkeit einer Schadensersatzpflicht hin. (dpa)

Karlsruhe (dpa) l Wer eine laufende Internetauktion vorzeitig abbricht, muss unter Umständen Schadenersatz zahlen. Das ergibt sich aus einem Urteil des Bundesgerichtshofs (BGH). Die BGH-Richter gaben im Streit um ein zurückgezogenes Auto-Angebot auf der Online-Auktionsplattform Ebay am Mittwoch dem Bieter recht.

Wegen der unrechtmäßig abgebrochenen Versteigerung hat der Bieter danach Anspruch auf Schadenersatz gegen den Verkäufer. Wie hoch dieser ausfällt, muss nach Angeben des Käufer-Anwalts aber erst noch ermittelt werden. In den Vorinstanzen war der Wert des Fahrzeugs auf 5250 Euro beziffert worden.

Der Besitzer eines VW Passat hatte seinen Wagen im Mai 2012 auf der Plattform angeboten. Als Mindestgebot setzte er einen Euro fest. Einige Stunden später konnte er das Auto aber anderweitig für 4200 Euro verkaufen und zog sein Internet-Angebot zurück. Zu dem Zeitpunkt hatte jemand bei der Versteigerung bereits einen Euro auf den Pkw geboten - das bis dahin höchste Gebot.

Der Bieter wollte daraufhin Schadenersatz in Höhe des Wertes des Wagens. Er klagte und bekam in den Vorinstanzen recht. Er habe den Wagen wirksam für einen Euro erworben, urteilte zuletzt das Thüringer Oberlandesgericht in Jena.

Dieses Urteil bestätigte der BGH am Mittwoch. Der Kaufvertrag ist in den Augen der Richter wirksam zustande gekommen. Der Vertrag sei nicht sittenwidrig, hieß es. Es mache gerade den Reiz einer Internet- auktion aus, dass man dort "Schnäppchen" machen könne. Der Verkäufer habe andererseits ja auch die Chance, seine Waren teurer zu verkaufen als gedacht.

In der Verhandlung am Mittwoch war von den Richtern nicht in Frage gestellt worden, dass die Verkaufsangebote auf einer Internetversteigerung nur in ganz bestimmten Fällen zurückgezogen werden dürfen. Laut den Bedingungen von Ebay gehört ein anderweitiger Verkauf wie im vorliegenden Fall nicht dazu.

Daher sah Ebay vom Urteil des Bundesgerichtshofs seine bisherige Geschäftspraxis ausdrücklich bestätigt. "Die Entscheidung des Bundesgerichtshofs ist nicht überraschend", erklärte das Unternehmen. "Grundsätzlich gilt: Wenn man einen Artikel bei Ebay zum Verkauf einstellt, erklärt man sich verbindlich zum Abschluss eines Vertrags bereit." Ebay informiere über die Voraussetzungen für einen berechtigten Abbruch einer Auktion "sehr deutlich - auch in dem Moment, in dem der Verkäufer den Abbruch vornimmt".