Paris (AFP) l Der Rahmen aus Mahagoni-Holz, der Sattel aus Jungbullen-Leder, die Lenkergriffe inspiriert von einem legendären Sportwagen - Luxus-Fahrräder sind groß im Kommen. Weltweit entdecken die urbanen Eliten das Fahrrad als neues Statussymbol und sind bereit, für den Edel-Drahtesel den Preis eines Kleinwagens hinzulegen.

Das Massenfortbewegungsmittel wird in seiner luxuriösen Variante zum stilistischen Ausrufezeichen von Gutverdienern. Designer buhlen um die zahlungskräftige Kundschaft und überbieten sich gegenseitig mit neuen Entwürfen.

Fahrrad als Kult-Fortbewegungsmittel


"Früher war das Auto das Schaufenster des sozialen Status, jetzt übernimmt das Fahrrad diese Rolle", sagt der französische Marketing-Experte Bruno Urvoy, der in seinem Pariser Geschäft unter anderem Räder der deutschen Edelmarke Schindelhauer anbietet. "Es erlaubt einem, den anderen zu sagen: `Das ist mein Lebensstil und mein Image`." Für einige ist es so wichtig wie die Schuhmarke."

So hat das für seine Handtaschen bekannte französische Modehaus Hermès das Fahrrad-Modell "Flâneur" auf den Markt gebracht. Für 8100 Euro gibt es ein klassisch anmutendes Fahrrad mit Carbonrahmen, acht Gängen und einem lautlosen Zahnriemen, der die ölige Fahrradkette ersetzt. Sattel, Lenker und Gepäckträger sind mit Jungbullen-Leder bezogen, hochwertig verarbeitete Tierhäute sind schließlich eine Spezialität des Traditionshauses.

"Das Fahrrad hat nicht nur einen großen Erfolg bei Hermès-Kunden, die darin den Geist des Hauses wiederfinden, sondern auch bei Fahrrad-Liebhabern, die darin etwas Neues entdecken", sagt Hermès-Manager François Doré. "Flâneur" - das französische Wort flâner bedeutet bummeln oder umherschlendern - sei eine "Vision des Fahrrads als Kult-Fortbewegungsmittel für den modernen Städter".

Fahrräder von Mercedes und Porsche


Südlich der Alpen hat der italienische Luxusräder-Hersteller 43 Milano mit dem Sportwagendesigner Pininfarina zusammengearbeitet. "Fuoriserie" - auf Deutsch etwa Sondermodell - nimmt Anleihen bei einem Sportwagen aus den 1930er Jahren, wie Pininfarina-Chef Paolo Pininfarina sagt: "Das geflochtene Leder des Sattels und des Lenkers ist vom Inneren des Wagens inspiriert." Das Fahrrad mit seinem Chromstahl-Rahmen und einem diskreten Elektromotor mit dem stattlichen Preis von 8400 Euro sei gedacht für "Führungspersönlichkeiten, die im Stadtzentrum wohnen, wo die Straßen in der Regel voll sind".

Pininfarina ist bei weitem nicht das einzige Unternehmen in der Autobranche, das sich im Fahrradsegment versucht - auch Mercedes Benz, Porsche, Maserati, Lamborghini und Ferrari haben schicke Räder entworfen.

Fahrrad bietet Unabhängigkeit


In Japan baut der traditionsreiche Yacht-Konstrukteur Sueshiro Sano Fahrräder aus Mahagoni-Holz aus Honduras. Seine Räder seien mindestens so leistungsfähig wie Räder mit modernen Carbonrahmen, würden aber eher eine "ältere" Klientel anziehen, sagt er. Älter und natürlich gut situiert: Das japanische Mahagoni-Fahrrad kostet stolze 14.500 Euro.

Die Vorteile des Fahrrads gegenüber dem Auto liegen für Marketing-Experte Urvoy auf der Hand: "Mit dem Fahrrad finden die Menschen die Unabhängigkeit wieder, die sie einst mit dem Auto hatten, ohne die Nachteile des Straßenverkehrs. Sie bewegen sich, atmen, finden die Freiheit wieder." Urvoy rüstet auch alte Modelle edel auf, etwa das Fahrrad aus Jugendtagen oder vom Großvater. "Die wahre Spitzenklasse", sagt der Fachmann, "ist die Personalisierung."