Berlin (dpa) l Ein Bündnis aus Landwirtschaft, Fleischwirtschaft und Lebensmitteleinzelhandel will die Haltungsbedingungen für Schweine und Geflügel in Deutschland verbessern. Dafür stünden in den kommenden drei Jahren rund 255 Millionen Euro bereit, kündigte die "Initiative Tierwohl" am Dienstag in Berlin an. Landwirte, die ihren Tieren zum Beispiel mehr Platz bieten als es die Gesetze vorschreiben, sollen künftig aus dem Fonds Gelder beantragen können. Dafür müssen sie Verbesserungen bei der konventionellen Nutztierhaltung nachweisen. Die Teilnahme an der Initiative ist freiwillig.

Die Idee begründete die Initiative mit einem Umdenken der Gesellschaft beim Fleischverzehr und der in der Kritik stehenden Massentierhaltung. So fänden inzwischen rund 60 Prozent der Verbraucher eine artgerechte Tierhaltung wichtig, berichtete Alexander Hinrichs, Geschäftsführer der "Initiative Tierwohl". Allerdings wollten nur 30 Prozent auch deutlich mehr Geld dafür ausgeben. Der Biobereich liege beim Konsum bei weniger als einem Prozent. Der neue Fonds ziele deshalb auf die Breite der Fleischerzeugung - und nicht auf Nischen.

Die großen Handelsketten machen mit

Der Fonds speist sich aus dem Fleischverkauf. Teilnehmer sind bisher die Handelsketten Aldi, Edeka, Kaiser`s Tengelmann, Kaufland, Lidl, Netto, Penny, Real und Rewe. Sie zahlen vier Cent pro Kilogramm Verkaufsmenge ein. Es bleibe dem Handel überlassen, ob er die Fleischpreise für diese Abgabe erhöhe, sagte Franz-Martin Rausch, Geschäftsführer beim Bundesverband des Deutschen Lebensmittelhandels.

Das Interesse bei den Landwirten sei bisher groß, sagte Hinrichs. Für 2015 stünden 85 Millionen Euro im Fonds bereit. Dafür lasse sich die Haltung für bis zu acht Millionen Schweine, 300 Millionen Hähnchen und 15 Millionen Puten verbessern.

Was sich konkret für die Nutztiere verbessert, bleibt nach Angaben der Initiative neben Grundstandards wie der Überwachung von Antibiotika-Gaben dem Landwirt überlassen. Er kann sich bei Schweinen zum Beispiel verpflichten, Auslauf für die Tiere zu schaffen, sie zusätzlich mit Heu zu füttern oder Haltebuchten in Liege-, Spiel- und Fressbereiche aufzuteilen, berichtete Johannes Röring für den Deutschen Bauernverband. Puten könnten die Schnabelspitzen nicht mehr mit einem heißen Messer, sondern schmerzfreier per Infrarot-Technik gestutzt werden, ergänzte Leo Graf Drechsel für den Zentralverband der Deutschen Geflügelwirtschaft.

Der Deutsche Tierschutzbund wertete den Ansatz der Initiative als gut. Es sei lobenswert, dass ein Landwirt, der mehr tue als er müsse, dafür belohnt werde, sagte Präsident Thomas Schröder. Die Umsetzung der Idee sei jedoch noch mangelhaft. Bei Geflügel lägen die Standards aus Sicht von Tierschützern zum Beispiel zu niedrig - und die Summen für teilnehmende Landwirte seien gedeckelt.