Köln (dpa) l Es ist noch nicht allzu lange her, da war für viele Hobbyläufer der einfache Pulsmesser noch ein High-Tech-Gerät. Geht es nach den Herstellern von tragbarer Technik, sogenannten Wearables, von Gesundheits-Apps und digitalen Fitnessbändern, sollten heute mehr Bewegungen gemessen werden, als nur die Runde durch den Park.

Ob Treppen steigen, Gassi gehen oder Staub saugen: Mit elektronischen Messgeräten ums Handgelenk oder an der Brust lassen sich permanent Schritte zählen, Herzfrequenz messen, Schlafphasen analysieren oder der Fettstoffwechsel beobachten.

Bei der nach Veranstalterangaben weltweit größten Fitness-Messe Fibo, die am Donnerstag in Köln begonnen hat, stehen neue Entwicklungen hierzu besonders hoch im Kurs.

Die Sensoren einer der neuen Erfindungen liegen dabei an einem eher ungewohnten Ort: mitten im Ohr. Die Firma Jabra entwickelte ein kabelloses Headset zum Telefonieren, Musikhören und Pulsmessen. Eine spezielle App veranschaulicht dem Nutzer die aktuellen Daten. Das Produkt richtet sich an Läufer, Triathleten - und offenbar wohlhabende Hobbysportler: 200 Euro sollen die Kopfhörer kosten.

Nach einer Studie des Branchenverbands Bitkom von 2014 nutzen knapp 13 Prozent der Deutschen ein digitales Gerät, das Schritte oder den Kalorienverbrauch misst.

Um vom Trend der sportlichen Spielereien, die auch Hersteller wie Polar oder Apple für Einzeltrainings anbieten, nicht abgehängt zu werden, setzen auch Fitnessstudios verstärkt auf Neuerungen. So hat die Firma Technogym eine Software entwickelt, die die Daten von privaten Lauftrainings, digitalen Körperwaagen bis Crosstrainern im Fitnessstudio in einer Cloud bündelt. Ein individuelles Programm sei so im Studio ohne Trainer möglich, erklärt eine Mitarbeiterin am Messestand. Wenn denn alle Geräte vom selben Hersteller sind.

Das Unternehmen Myzone will hingegen mit einer modernen Art von Gruppentraining die Sportbegeisterten ins Fitnessstudio locken, sagt Manager Mike Leveque. Seine Firma entwickelte Sensoren, die die Gesundheitsdaten mehrerer Sportler beim Training auf Kardiogeräten gleichzeitig misst, an einem riesigen Bildschirm in Echtzeit zeigt und daraus einen sozialen Wettbewerb entwickelt: Wer hat den niedrigsten Puls? Wer hat am meisten Kalorien verbrannt? Haben die Fitnessmitglieder ein Ziel erreicht, bekommen sie ein T-Shirt oder eine Trinkflasche geschenkt, so die Idee des Konzepts. "Zahlen dienen so als Währung und binden den Kunden ans Studio", erklärt Leveque.

Sollen technische Motivations-Bonbons eigentlich zu einer besseren Gesundheit beitragen, können manche Fitness-Apps jedoch das genaue Gegenteil bewirken. Dies geht aus einem aktuellen Test der "Computer Bild" hervor. Die Fachzeitschrift testete mehrere beliebte Programme für Smartphones und andere Geräte. Das Fazit: Mit dem viel zu hohen Niveau der vorgeschlagenen Work- outs seien vor allem Anfänger teilweise überfordert, individuelle körperliche Eigenschaften kämen zu kurz, gesundheitliche Probleme würden gar nicht erfasst, sagt "Computer Bild"-Redakteur Thomas Vattrodt.

So schlug eine App 20 Klimmzüge für Einsteiger vor - eine klare Überforderung. "Anfänger sollten sich die Übungen lieber erst vom Experten zeigen lassen, bevor sie zur App greifen. Denn einige Einsteigerpläne könnten sogar echte Fitnessprofis an ihre Grenzen bringen."

Sportwissenschaftler sehen das ähnlich. Die körpereigenen Reaktionen und das eigene Empfinden seien beim Sport noch immer die besten Kontrolleure: "Die Programme lassen uns glauben, dass das, was wir messen können, eine genaue Aussage über unsere sportliche Fitness gibt", sagt Ingo Froböse, Professor an der Deutschen Sporthochschule in Köln. "Tatsächlich machen diese Apps aber nur wenige Faktoren zur Leitlinie, andere Fähigkeiten rückt die Technik in die Ecke."