Magdeburg l Strom sicher, effizient und in großen Mengen zu speichern, ist eine der größten Herausforderungen der Energiewende. Der Magdeburger Ingenieur Karl-Heinz Wiemers hat eine Anlage entwickelt, die unter Wasser mithilfe von Druckluft Energie speichern und erzeugen soll. Seine Idee hat Wiemers zum Patent angemeldet.

Das System schwimmt in Gewässern und funktioniert so: Mittels Druckluft wird die Unterwasseranlage am Laufen gehalten. Wasser strömt über Fallrohre in die Apparatur hinein und wird mit dem Einsatz von Druckluft über Steigrohre wieder aus dieser hinausgedrückt. Das System nutzt dabei auch die Druckunterschiede aus, die in den unterschiedlichen Wassertiefen herrschen. Dadurch werden zusätzliche Kräfte freigesetzt, sagt der Erfinder.

Zwei Millionen Euro für den Bau des Prototyps

Durch mehrere Aufstiegs- und Fallrohre entsteht ein dynamisches Speichersystem unter gleichzeitiger Energieerzeugung. Denn immer dort, wo es strömt, wird von Generatoren Strom erzeugt, mit denen dann die Druckluft wieder aufgefrischt werden kann. "Da alles unter Wasser geschieht, lässt sich eine solche Anlage zum Beispiel in der Nähe von Off-Shore-Windparks betreiben", erklärt Karl-Heinz Wiemers. Die benachbarten Windräder könnten die benötigte Energie für die Druckluft liefern, die als Initialzündung für das System benötigt wird.

Derzeit existiert die Anlage nur auf dem Papier. Wiemers bemüht sich, Investoren zu finden, die seine Erfindung zum Leben erwecken. Etwa zwei Millionen Euro wird der Bau eines Prototyps kosten, schätzt Wiemers. Erste Anfragen an die großen Energieversorger liefen allerdings ins Leere.

Druckluftspeicherung bereits erprobt

Denn auch andere Konzepte der Druckluftspeicherung zielen auf den Einsatz unter Wasser ab. Wissenschaftler in Kanada entwickelten einen Ballon, der unter Wasser Druckluft speicherte. Das System sei rentabel, sagte ein Professor, aber nur in großen Wassertiefen. Inzwischen ist das Projekt ausgelaufen.

Ein kanadisches Unternehmen verwendet einen Kompressor, um mithilfe von Solar- oder Windstrom Druckluft zu erzeugen. In 80 Meter tief gelegene Unterwasserballons wird die Luft eingeleitet. Wenn diese sich wieder in Strom zurückwandeln soll, öffnet sich ein Ventil und die Druckluft strömt durch den Wasserdruck ins Freie zurück. Der Kompressor wirkt dabei als Generator.

Der Magdeburger Wiemers ist ein Tüftler der alten Schule. Mit 15 Jahren erlernte er den Beruf des Maschinenschlossers bei Krupp in Essen. Später studierte er Verfahrensingenieur. Danach bereiste Wiemers als Vetriebsleiter viele Länder der Welt. 1995 ließ er sich in Magdeburg nieder, gründete eine Firma, hielt diverse Patente. Unter anderem entwickelt er eine Kombination von Magnetschwebe- und Direktantriebstechnik für den Werkzeugmaschinenbau. Heute ist Wiemers 72 Jahre alt. Des Erfindens ist er noch immer nicht müde.