Berlin l Vorläufige Entwarnung für Bahnfahrer: Die Lokführergewerkschaft GDL plant nach dem Ende ihres fast einwöchigen Ausstands vorerst keine neuen Streiks. "Das Land und die Bahnkunden haben jetzt eine Pause verdient - und die Bahn eine Nachdenkpause zum Reagieren", sagte GDL-Chef Claus Weselsky der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung". Die Deutsche Bahn kehrte nach dem Streikende nur langsam zum Normalbetrieb zurück.

Zur voraussichtlichen Länge der Streikpause wollte der Gewerkschaftschef sich nicht äußern. Momentan gebe es jedoch keine Pläne für einen neuen Ausstand. Vermutungen, als nächste Eskalationsstufe bleibe der GDL nur noch der unbefristete Streik, wies Weselsky zurück. "Unbegrenzte Streiks sind das allerletzte Mittel, so weit sind wir noch lange nicht", sagte er der "FAS". Nach dem Ende des Lokführerstreiks am Sonntagmorgen gab es nach Angaben der Bahn im Fernverkehr weiter starke Einschränkungen. Spätestens am Montag sollte im Personenverkehr wieder alles normal laufen.

Im Güterverkehr würden die Auswirkungen hingegen noch länger zu spüren sein, erklärte die Bahn. In den Rangierbahnhöfen hätten sich durch den langen Streik viele Güter angesammelt, diese Staus seien voraussichtlich erst Mitte der Woche aufgelöst. Die Lokführer der GDL hatten seit Montag im Güterverkehr und seit Dienstag im Personenverkehr gestreikt. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag bezifferte die Streikschäden für die deutsche Wirtschaft auf rund eine halbe Milliarde Euro. Von dem Streik sei besonders die Automobilindustrie betroffen gewesen, deren Produktion von einer pünktlichen Zulieferung abhänge, aber auch die Metallindustrie und die Energiewirtschaft, sagte DIHK-Präsident Eric Schweitzer der "Bild"-Zeitung (Montagsausgabe).

Rund 5.000 Lokführer mit Beamtenstatus

Der Ex-Bundesverkehrsminister und jetzige Vorsitzende des Bundestagswirtschaftsausschusses, Peter Ramsauer (CSU), forderte wegen der Folgen für die Wirtschaft in der "Bild am Sonntag" eine Verbeamtung aller 20.000 Lokführer. Der "exzessive Streik" der GDL sei eine ungewollte Folge der Bahnreform. "Wenn keine Vernunft einkehrt, müssen Lokführer wieder verbeamtet werden." Derzeit gibt es laut "BamS" rund 5.000 Lokführer mit Beamtenstatus. Sie wurden vor der Privatisierung der Bahn im Jahr 1994 eingestellt.

Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und GDL läuft bereits seit mehr als zehn Monaten. Er ist besonders kompliziert, weil der Konzern parallel auch mit der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft (EVG) verhandelt. Beide Gewerkschaften wollen Tarifverträge aushandeln, in denen alle ihre Mitglieder repräsentiert sind. Die Deutsche Bahn will dabei unterschiedliche Regelungen für eine Berufsgruppe verhindern.