Braunschweig (dpa). Der Traum vom Auto, das fliegen kann, ist beinahe so alt wie das Auto selbst. Mehr als 2000 Mal haben Ingenieure und Techniker in aller Welt bisher mit den unterschiedlichsten Technologien versucht, ein Fahrzeug zu bauen, das Flugzeug und Auto zugleich ist. Fast alle sind gescheitert. "Entweder waren es schlechte Autos oder schlechte Flugzeuge oder beides", meint John Brown. Der australische Geschäftsmann, der früher Berufspilot war und Flugunternehmen betrieben hat, will es nun besser machen.

Browns Flugauto heißt Carplane, vor einem halben Jahr wurde am Forschungsflughafen Braunschweig eine Firma gleichen Namens gegründet. Frühestens in fünf Jahren soll das Hybrid- oder Konvergenzauto, wie Brown den Typ nennt, auf den Markt kommen.

Der Australier beschäftigt sich schon lange mit der Idee. Er kam darauf, als er in den 1970er Jahren als Flugschüler im Hangar des ehemaligen Formel-1-Weltmeisters Jack Brabham auf dem Flughafen seiner Heimatstadt Sydney Experten fachsimpeln hörte. Doch erst seit vier Jahren macht sich Brown ernsthaft Gedanken um die Umsetzung.

Das technische Konzept steht, erste Patente sind angemeldet. Dabei mussten einige technische Probleme bewältigt werden - etwa das der Gewichtsverteilung oder der Motorkühlung. Außerdem darf das straßenfähige Flugzeug nicht breiter als die international vorgeschriebenen 2,60 Meter sein.

Brown setzt - ähnlich wie bei einem Katamaran - auf einen Doppelrumpf, bei dem der Fahrer und ein Passagier in getrennten Kabinen sitzen, und auf ein ausfahrbares Leitwerk. Die Flügel werden aus aerodynamischen Gründen schräg zum Boden zwischen den Rümpfen gelagert und bei Bedarf ausgeschwenkt. "Die Umwandlung vom Auto in ein Flugzeug oder umgekehrt wird auf dem Flughafen 15 Sekunden dauern - praktisch wie beim Cabrio", so Brown.

Das Carplane soll aus faserverstärkten Kunststoffen bestehen und 600 Kilogramm leicht sein. Es wird zwei Motoren haben - einen Elektromotor fürs Auto und einen Benzinmotor für die Luft. Auf der Straße soll das Gefährt maximal 176, in der Luft 120 Kilometer pro Stunde schnell sein. Aus Sicherheitsgründen ist für das Cockpit eine getrennte Steuerung vorgesehen: ein Lenkrad für die Straße und ein Knüppel für die Luft. Der Nutzer wird sowohl einen Führerschein als auch einen Pilotenschein für Leichtflugzeuge benötigen, das Fahrzeug muss zudem doppelt zugelassen werden. Der Preis für das Carplane dürfte anfangs bei 200000 Euro liegen.