Magdeburg/Halle (dpa). Die Handwerkskammern in Sachsen-Anhalt wollen mehr Mädchen nach der Schule für eine Ausbildung begeistern. Hintergrund ist der demografische Wandel. "Es wird für die Unternehmen immer schwerer, geeignete Fachkräfte zu finden", sagte der Vize-Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer Magdeburg, Burghard Grupe. Das Potenzial, das in Frauen für technische Berufe stecke, werde noch zu wenig genutzt. Frauen seien meist im kaufmännischen Bereich oder als Friseurin, Kosmetikerin und Verkäuferin tätig, sehr selten als Dachdecker, Maurer oder Schornsteinfeger.

Mit dem "Girls’ Day" oder anderen Aktionen in den Ausbildungszentren des Handwerks sollen Schulabgängerinnen traditionelle Männerberufe wie in der Metallbranche oder im Elektronikbereich näher gebracht werden. "Wir wollen mit Klischees brechen", sagte Grupe. Zudem gehe es darum, Frauen Aufstiegschancen im Handwerk aufzuzeigen. Dazu diene eine bundesweite Initiative unter dem Motto "Meine Zukunft: Chefin im Handwerk." Zudem will das Handwerk mehr Frauen für die Übernahme von Firmen begeistern, wenn Chefs in Rente gehen.

Nach Angaben der Handwerkskammer Halle sind rund 75 Prozent aller Beschäftigten im Handwerk Männer, am Bau mehr als 90 Prozent. "Das Kfz-Handwerk weicht davon schon etwas ab, da gibt es 49 Prozent Männer", sagte Jürgen Rogahn, der Hauptgeschäftsführer der Kammer. Von 1677 Auszubildenden, die ihre Lehre im Handwerk im Süden Sachsen-Anhalts begonnen haben, sind 1209 Männer und 468 Frauen, die aber vorwiegend einen kaufmännischen Beruf anstreben oder Friseurin oder Augenoptikerin werden wollen. Im Kammerbezirk Magdeburg ist etwa jeder fünfte Lehrling weiblich.

"Allerdings gibt es mittlerweile mehr weibliche Lehrlinge als noch vor Jahren im Kfz-Bereich", sagte Rogahn. In den Autowerkstätten gehe der Anteil schwerer körperlicher Arbeiten immer mehr zurück. "Da sind heute Hightech-Kenntnisse gefragt."

Laut Kammerpräsident Thomas Keindorf wird es trotz aller Bemühungen Grenzen geben. "Es ist unrealistisch anzunehmen, dass sich die Berufswahl zwischen Mädchen und Jungen aufheben wird, wir sind aber sehr bemüht, allen jungen Mädchen Perspektiven aufzuzeigen."

Moderne Technik ermögliche es, dass Frauen auch in ganz klassischen Männerberufen Fuß fassen können. "Ein Bäcker muss heute in der Regel nicht mehr schwere Mehlsäcke schleppen", sagte Grupe. Anders sei dies jedoch auf dem Bau, wo schwere körperliche Arbeit dominiere. In Ausbaugewerken könne eine Frau aber durchaus ihren Mann stehen, sagte Dieter Gremmer, Geschäftsführer der Leinetaler Hochbau GmbH (Wallhausen im Landkreis Mansfeld-Südharz). Meinung