Die Informationstechnologie-Branche in Sachsen-Anhalt sieht optimistisch in die Zukunft. "Die Unternehmen stellen sich bei Umsatz und Personal weiter auf Wachstum ein", sagte der Vorsitzende des sachsen-anhaltischen Verbandes der IT- und Multimediaindustrie (VITM), Dirk Bartens, der Volksstimme. Stellvertretend für die Branche forderte Bartens einen für IT-Fragen zuständigen zentralen Ansprechpartner auf Landesebene.

Magdeburg. Der Mehrheit der IT-Unternehmen in Sachsen-Anhalt geht es wirtschaftlich gut. Zu dieser Einschätzung kommt der Vorsitzende des sachsen-anhaltischen Verbandes der IT- und Multimediaindustrie (VITM), Dirk Bartens, im Volksstimme-Gespräch.

Die Branche sei von der Wirtschafts- und Finanzkrise weitgehend verschont geblieben. Viele direkt berührte Unternehmen hätten die schwierige Zeit genutzt, ihre Organisationssysteme auf Vordermann zu bringen und Produktionsprozesse zu optimieren. Dazu hätten sie sich der Informationstechnologie bedient, verdeutlichte Bartens dem Umstand, dass die IT-Branche optimistisch in die Zukunft schauen könne. "Ich gehe davon aus, dass das Wachstum bei Umsatz und Beschäftigten weiterhin bei jährlich fünf bis zehn Prozent liegen wird", blickte Bartens, der auch Geschäftsführer der Schönebecker SBSK GmbH & Co. KG ist, voraus. "Die Unternehmen bringen auch nach wie vor tolle Innovationen hervor", lobte er den Forschergeist in der Branche, die in Sachsen-Anhalt mehr als 500 Soft- und Hardwareunternehmen mit insgesamt rund 20 000 Beschäftigten zählt. Die Mitarbeiterzahl war in den vergangenen fünf Jahren um 38 Prozent gewachsen.

Weniger zufrieden ist die IT-Wirtschaft, was ihre Beachtung im politischen Raum angeht. Im Vorfeld der Landtagswahlen am 20. März hatte der Verband die Wahlprogramme der großen Volksparteien unter die Lupe genommen. "Bei der Themensetzung in Fragen der Informationstechnologie fühlen wir uns deutlich unterrepräsentiert", kritisierte Bartens. Wichtige Felder wie "die dringend erforderliche Erneuerung und Modernisierung des Datennetzes des Landes", über das unter anderem Ministerin, Landkreise und Schulen miteinander kommunizieren, "die Zusammenlegung der Rechenzentren oder die Einrichtung einer einheitlichen Behördenrufnummer über die Modellregion Magdeburg hinaus" würden bei wirtschaftspolitischen Schwerpunktsetzungen ausgeklammert.

Die IT-Wirtschaft fordert deshalb einen Informations- und Kommunikationstechnologieverantwortlichen auf Landesebene. In die Zuständigkeit dieses "Landes-CIO" (chief information officer) sollte die Koordination der IT-Aktivitäten auf Landesebene fallen, schlug Bartens vor. Dazu gehörten unter anderem die E-Government-Themen des Landes über Ressortgrenzen hinweg und die Koordination komplexer IT-Großprojekte. "Der CIO als die zentrale Schnittstelle des Landes zum Bund und den Kommunen müsste, um etwas zu bewirken, mit den notwendigen Ressourcen und Kompetenzen beispielsweise im Rang eines Staatssekretärs ausgestattet werden", sagte Bartens.

Fortschritte mache hingegen der Ausbau der Breitbandversorgung vor allem in den ländlichen Gebieten, stellte der Verbandschef fest. "Da sind wir in Sachsen-Anhalt gut im Rennen". Er rechne damit, dass bis Ende dieses Jahres der Großteil der weißen Flecken bei der Versorgung mit dem schnellen Internet – hier vor allem in der Altmark – verschwunden sein werde. Danach müsse der Ausbau hin zu sukzessiv steigenden Datendurchsätzen angegangen werden.

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