Frankfurt/Main (dpa). Deutsche Bahn und iLokführer haben gestern stundenlang um die letzten Feinheiten eines neuen Tarifvertrages gerungen. Die Arbeitgeber der Bahn (DB) und die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wollten in einem Hotel am Frankfurter Flughafen alle Unstimmigkeiten ausräumen und den Kompromiss endgültig festzurren. Am späten Nachmittag war ein Ende der entscheidenden Gespräche aber noch nicht absehbar.

Da sich die zwei Seiten in den vorherigen 13 Verhandlungsrunden entscheidend angenähert hatten, sei eine Einigung für die 20 000 Lokführer des staatseigenen Konzerns aber greifbar, hieß es.

Strittig waren noch einige Punkte im DB-Haustarifvertrag – etwa die Einkommenserhöhung und Laufzeit sowie Regeln für Lokführer, die einen Selbstmord auf den Schienen miterleben mussten und danach wegen eines schweren Traumas nicht mehr im Führerstand arbeiten können.

Ein Zwischenergebnis steht bereits beim Rahmentarifvertrag mit der DB: Das Regelwerk legt laut GDL die monatlichen Entgelte, vier wichtige Zulagen und die wöchentliche Arbeitszeit fest. Ziel der Gewerkschaft ist es, diesen Rahmenvertrag für die DB-Lokführer auch bei der DB- Konkurrenz in Kraft zu setzen.

Bis zu diesem Flächentarifvertrag ist es noch weit. Zwischen fünf großen DB-Konkurrenten und der GDL ist die Lage festgefahren, weitere Streiks sind absehbar. Nur mit dem Wettbewerber Keolis (Eurobahn), der Strecken in Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen bedient, hatte es am Montag eine Annäherung gegeben – im Mai sollen die Gespräche weiterlaufen. Der Vize-GDL-Bundesvorsitzende Nor- bert Quitter sprach von einer "konstruktiven Tarifrunde".

"Es (Keolis) ist das erste Schienenpersonen-Nahverkehrs-Unternehmen, das aus der penetranten Verweigerungshaltung dieser Unternehmen ausgestiegen ist", sagte Quitter.

Zwischen dem Branchenführer DB und der GDL dauern die tariflichen Auseinandersetzungen nun schon rund neun Monate. Zuletzt hatten die Lokführer der Deutschen Bahn 2008 ein Tarifplus von 11 Prozent und 2009 eine Steigerung um 4,5 Prozent erkämpft. Ein DB-Lokführer verdient derzeit im Monat durchschnittlich 2700 Euro brutto plus Zulagen – bei 39 Stunden Wochenarbeitszeit und 29 Tagen Jahresurlaub. Die Konkurrenz der DB zahlt nach GDL-Angaben oft weniger.