Die Bauindustrie in Sachsen-Anhalt und Sachsen beklagt hohe Ausgaben bei Ausschreibungen. Für die Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen entstünden den Bauunternehmen jährlich Kosten von mehreren hundert Millionen Euro, schreibt der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt in seinem gestern veröffentlichten "Schwarzbuch Bauwirtschaft – Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe".

Magdeburg (dapd/ts). In einem "Schwarzbuch Bauwirtschaft – Fallstricke bei der öffentlichen Auftragsvergabe" hat der Bauindustrieverband Sachsen/Sachsen-Anhalt die größten Probleme beschrieben, mit denen Bauunternehmen in den beiden Bundesländern bei Ausschreibung, Zuschlagserteilung und Erfüllung des Vertrags konfrontiert sind.

Der Präsident des Bauindustrieverbands, Hans-Dieter Steinbrücker, sagte gestern, ein Drittel des Umsatzvolumens im deutschen Bauhauptgewerbe werde im öffentlichen Bau erzielt. Doch gerade bei der öffentlichen Auftragsvergabe häuften sich "Fehler, Missverständnisse und Probleme". Insbesondere in der Planungsphase würden fachliche Fehler gemacht, deren Folgen die Bauausführenden tragen müssten.

Steinbrücker, der Leipzig-Chef des Baukonzerns Bilfinger Berger, ist neuer Präsident des Bauindustrieverbandes Sachsen und Sachsen-Anhalt. Er löst den Magdeburger Bauunternehmer Bernd Busse ab, der sein Amt aus Altersgründen zur Verfügung gestellt hat. Busse bleibt Mitglied des Vorstandes. Der Verband vertritt in Sachsen und Sachsen-Anhalt mehr als 160 Bauunternehmen mit rund 11000 Beschäftigten.

Vor dem Hintergrund der hohen wirtschaftlichen Kosten wies Steinbrücker auf die große Verantwortung des Staates bei der Durchführung öffentlicher Ausschreibungen hin. "Besonders in der Planungsphase werden häufig fachliche Fehler gemacht, deren Folgen die Bauausführenden tragen müssen."

<6>Die Qualität der Ausschreibungen auf kommunaler Ebene werde von den Unternehmen als viel schlechter als auf Landesebene bewertet. Der Verband zeigte sich besorgt, weil Kommunen die wichtigsten Auftraggeber der Bauwirtschaft im öffentlichen Bereich seien. Der Großteil der Probleme resultiere aus unterbesetzten Bauämtern und einem Mangel an Bausachverständigen. Hinzu komme, dass bedingt durch die kommunale Selbstverwaltung bei gleichen formalen und technischen Sachverhalten meist verschiedene Verfahrensweisen angewandt werden. Für die Beteiligung an öffentlichen Ausschreibungen entstehen den Bauunternehmen laut dem "Schwarzbuch" jährlich Kosten in Millionenhöhe. Sächsische Bauunternehmen müssten dafür 750 Millionen Euro aufbringen, Bauunternehmen in Sachsen-Anhalt 240 Millionen Euro pro Jahr.

   

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