Menschen mit einer Behinderung gelten immer noch als die Ausnahme in Unternehmen. Es gibt aber technische Hilfsmittel, die ihre Defizite ausgleichen können. Motivation und Betriebstreue sind bei Behinderten oft besonders ausgeprägt.

Halle (dpa). Behinderte müssen angesichts des wirtschaftlichen Aufschwungs bessere Chancen auf einen Arbeitsplatz bekommen als bisher. "Gerade für Menschen mit Behinderungen ist es sehr wichtig, am Berufsleben teilnehmen, den Lebensunterhalt selbst bestreiten zu können", sagte der Chef der Regionaldirektion Sachsen-Anhalt-Thüringen der Bundesagentur für Arbeit, Kay Senius. Am passenden Arbeitsplatz seien sie ebenso leistungsfähig wie ihre nichtbehinderten Kollegen. In Sachsen-Anhalt beträgt der Anteil behinderter Arbeitnehmer in der Privatwirtschaft 2,9 Prozent, 5 Prozent sind laut Gesetz Pflicht.

Senius forderte gerade jene Betriebe auf, die eine hohe Ausgleichsabgabe zahlen, bei der Besetzung freier Stellen unbedingt auch die Eignung schwerbehinderter Menschen zu prüfen. Statt einen Behinderten einzustellen, zahlen Firmen als Ausgleich häufig lieber Geld an den Staat, wenn sie die Quote von 5 Prozent nicht erfüllen. "Ich wünsche mir aber, dass Menschen mit einem Handicap mehr Chancen als bisher am Arbeitsmarkt bekommen, zumal jetzt, da die Konjunktur spürbar anzieht", sagte Senius. Er verwies zugleich auf Beratungs- und Fördermöglichkeiten.

So unterstützen die technischen Berater der Agenturen für Arbeit die Betriebe bei der behindertengerechten Ausstattung eines Arbeitsplatzes. Die Finanzierung dafür wird zum großen Teil aus der Ausgleichsabgabe übernommen. Darüber hinaus können auch die Lohnkosten bei Einstellung schwerbehinderter Menschen gefördert werden, und zwar bis zu 70 Prozent des Brutto-Entgeltes plus 20 Prozent des Arbeitgeberanteils zur Sozialversicherung. Unter bestimmten Voraussetzungen zahlen die Agenturen für Arbeit die Zuschüsse bis drei Jahre, bei der Einstellung von älteren Schwerbehinderten sogar bis acht Jahre.

"Unsere Fördermöglichkeiten werden ergänzt durch Sonderprogramme des Landes Sachsen-Anhalt", betonte Senius. "Aber trotz aller Fördermöglichkeiten gehören Behinderte leider noch immer zu den Außenseitern im Arbeitsleben", sagte er. Die Erfahrung zeige, wenn sich Arbeitgeber entschließen, Behinderten eine Chance zu geben, dann erhielten sie in der Regel sehr motivierte, zuverlässige und dankbare Mitarbeiter. "Es lohnt sich auf jeden Fall", sagte Senius. Zudem gebe es heute viele technische Möglichkeiten, um Arbeitsplätze behindertengerecht zu gestalten, egal ob für Rollstuhlfahrer, blinde, hörbehinderte oder anderweitig hilfebedürftige Mitarbeiter.

"Man kann den Arbeitsplatz häufig so ausgestalten, dass es keine Unterschiede mehr zwischen der Arbeitsleistung eines Behinderten und eines nichtbehinderten Arbeitnehmers gibt." Das ist in Verwaltungs- und Büroberufen, aber durchaus auch in Fertigungsberufen möglich.

In Sachsen-Anhalt sind laut Senius rund 4900 schwerbehinderte Menschen arbeitslos, das sind 3,3 Prozent aller Arbeitslosen (März Sachsen-Anhalt: 150 300). Rund 15 000 schwerbehinderte Menschen haben eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

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