Frankfurt/Main (dpa). Hunderttausende Anleger in Deutschland fürchten um ihr Erspartes. Eigentlich wollten sie Sicherheit, als sie ihr Geld in offene Immobilienfonds (OIF) investierten. Und sie wollten jederzeit an ihr Vermögen rankommen – wie beim Tagesgeld, nur besser verzinst.

Doch die als "Betongold" beworbenen Produkte sind keineswegs krisenfest, wie die Verbraucherzentrale Hessen betont: "Momentan sind von den 24 für Privatanleger wichtigsten offenen Immobilienfonds zehn geschlossen." Bei zwei von ihnen – SEB Immoinvest und CS Euroreal – steht im Mai eine Entscheidung an: Nehmen sie wieder Anteile zurück, setzen sie die Rücknahme weiterhin aus oder müssen sie endgültig aufgelöst werden?

Dieses Schicksal hat bereits drei offene Immobilienfonds ereilt, die derzeit abgewickelt werden: Sie waren die maximal erlaubten zwei Jahre eingefroren – nahmen also keine Anteile zurück – und haben es in dieser Zeit nicht geschafft, wieder ausreichend Barmittel anzuhäufen.

Allerdings ist das Geld der Anleger damit keineswegs futsch, wie Felix Fortelka vom Bundesverband Investment und Asset Management (BVI) betont: "Es gibt bei Investmentfonds keine Gefahr, als Anleger einen Totalverlust zu erleiden, weil das Geld als Sondervermögen insolvenzgeschützt ist." Selbst für die Auflösung gebe es gesetzliche Anforderungen und großzügige Zeitrahmen, in denen die Immobilien zu Marktpreisen verkauft werden könnten. "Im Interesse aller Anleger dürfen keine Immobilien "verschleudert" werden, nur um Liquidität zu schaffen."

Insgesamt sind von den Entwicklungen rund drei Millionen Anleger betroffen, die Anteile von offenen Immobilienfonds in ihrem Depot haben. Auf 77,5 Milliarden Euro beziffert das Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (iff) das Fondsvolumen insgesamt – täglich greifbar sind davon aktuell nur 64 Prozent. Mit anderen Worten: An knapp 27,8 Milliarden Euro kommen die Investoren derzeit nicht ran.

Jüngstes Opfer: Der UniImmo Global. Der Fonds der Volksbanken wurde nach der Natur- und Nuklearkatastrophe in Japan eingefroren. 14 Prozent des Immobilienwerts steckt in Tokio und ist damit aktuell nicht bewertbar. Ein Ende der Krise ist nicht abzusehen: Auch der Deka Immobilien Global mit knapp 15 Prozent des Fondsvermögens und der Grundbesitz Global mit rund 16 Prozent sind in Japan investiert, erklärt iff-Direktor Achim Tiffe. Beide Fonds sind noch geöffnet.

Doch wenn zu viele Anleger gleichzeitig Anteile verkaufen, stehen die Fonds vor Problemen – so wie im Herbst 2008. In der Finanzkrise zogen vor allem institutionelle Anleger riesige Summen ab, nach BVI-Angaben insgesamt 5,1 Milliarden Euro innerhalb weniger Tage. "Eine schmerzhafte Erfahrung", bestätigt Fortelka: "Ein Dutzend OIF musste zum Schutz der Anleger die Rücknahme von Anteilscheinen vorübergehend aussetzen." Anderenfalls wären die Barmittel aufgezehrt worden, die Fonds hätten ihre Gebäude unter Wert notverkaufen müssen.

Seither ist der Ruf dieser Anlage beschädigt. Die OIF kommen aus der Krise nicht heraus. Auch wenn die Immobilienmärkte wieder anziehen und die OIF nach wie vor Investoren anlocken: 2010 flossen den Fonds nach BVI-Angaben netto 2,7 Milliarden Euro zu.

Die Bundesregierung hat reagiert und Mindestzeiträume für Investitionen eingeführt. Privatanleger sollen besser vor den Folgen eines plötzlichen Rückzugs großer Investoren geschützt werden: Die Einlage kann nur noch bis Ende 2012 täglich gekündigt werden.