Tokio (dpa). Erst war er wochenlang unsichtbar, jetzt verschwindet Tepco-Chef Masataka Shimizu ganz von der Bildfläche. Der Top-Manager des AKW-Betreibers ist der erste Hauptverantwortliche, der im Zuge des Fukushima-Desasters zurücktritt. "Ich übernehme die Verantwortung", sagte der mit einer blauen Arbeitsjacke bekleidete Shimizu gestern in einer live im Fernsehen übertragenen Pressekonferenz und verneigte sich als Zeichen der Demut. In die Unternehmensgeschichte dürfte der 66-Jährige trotzdem als Versager eingehen: Der Super-GAU und der größte Verlust eines japanischen Industrieunternehmens aller Zeiten sind mit seinem Namen verbunden.

Dabei hatte Shimizu einst als Sanierer und Reformer auf dem Tepco-Chefsessel Platz genommen. Shimizu hatte einst die PR-Abteilung von Tepco geführt. Doch in der Krise wählte Tepco das Gegenteil von Transparenz: Informationen gelangten scheibchenweise in die Öffentlichkeit, wenn überhaupt.

Shimizu verschwand nach der Riesenwelle für Wochen in der Versenkung und wurde zum wohl meistgehassten Wirtschaftsmann Japans. Ministerpräsident Naoto Kan erklärte, Shimizus Konzern sei auf Vorfälle wie Megaerdbeben "nur ungenügend vorbereitet" gewesen.

Kritik gab es auch am Umgang mit den Arbeitern in der AKW-Ruine, an der Kommunikation der Strahlungswerte, an schleppenden Entschädigungszahlungen. Als letzte Amtshandlung musste Shimizu nun einen Nettoverlust von 1,25 Billionen Yen (rund 10,7 Mrd. Euro) eingestehen. Dem Konzern bleibt der Versuch eines Neuanfangs: mit staatlicher Milliarden-Hilfe, weniger Atomkraft, ohne Shimizu.