Auf der 5. InterUnternehmerinnenKonferenz gingen die Teilnehmer gestern im Magdeburger Gesellschaftshaus der Frage nach, wie der Frauenanteil unter den Führungskräften ausgebaut werden könnte. Im Bundesländervergleich liegt Sachsen-Anhalts Wirtschaft mit 27,8 Prozent auf dem dritten Platz. Außerdem wurden am Abend erfolgreiche Unternehmerinnen geehrt.

Magdeburg. Die Fähigkeiten der Frauen besser zu nutzen, ihnen Perspektiven zu bieten sei in der Tat eine existenzielle Frage, sagte Wirtschaftsminister Reiner Haseloff (CDU). Die Gesellschaft könne es sich nicht leisten, auf qualifizierte Frauen zu verzichten, deren Abwanderung sei ein Verlust für das Land, und noch zu viel Potenzial liege brach.

Der Frauenanteil in Führungspositionen sei in Sachsen-Anhalt deutlich höher als der Bundesdurchschnitt von 16,1 Prozent, so Haseloff. Weibliche Führungskräfte seien für die Leistungsfähigkeit des Wirtschaftsstandortes unerlässlich. Allein die Betriebe der 53 für den diesjährigen Unternehmerinnenpreis nominierten Frauen hätten im vergangenen Jahr einen Umsatz von rund 45 Millionen Euro erwirtschaftet.

Die Einstellung zu Unternehmertum und Selbständigkeit werde bereits im Kindes- und Jugendalter gebildet, betonte Traudel Gemmer, Präsidentin des AMU Verbandes selbständiger Frauen in Sachsen-Anhalt. Und so müsse bereits in der Schule angesetzt werden. Wirtschaftswissenschaftlerin, Dekanin Birgitta Wolff von der Universität Magdeburg, stellte fest, dass junge Frauen viel stärker angesprochen werden müssen als Männer. Sie trauten sich oft selbst zu wenig zu und bräuchten deshalb gute Mentoren. "Ich hatte welche", sagte die Professorin, die ihre Erfahrungen nun auch gern an ihre Studentinnen weitergibt.

Als wichtigstes Karrierehemmnis gaben Frauen die Vereinbarkeit von Beruf und Familie an. Die Problemlösung müsse im Kopf beginnen", sagte Gertrud Höhler, die als Beraterin für Politik und Wirtschaft tätig ist. Sie wandte sich dagegen, Maschinenlaufzeiten höher zu stellen als das menschliche Leben. Es sei wichtig, es als normal zu sehen, dass junge Menschen Kinder haben und dass Kinder krank werden und betreut werden müssen.

Unternehmerinnen, die es allen äußeren und inneren Widerständen zum Trotz geschafft haben, sich im wirtschaftlichen Umfeld zu behaupten, wurden gestern mit einer Skulptur und Preisgeldern von 1500, 1000 und 500 Euro ausgezeichnet. Der erste Preis ging an Rosemarie Appel, Geschäftsführerin von BördeKäse Vahldorf. Der zweite Platz wurde Hiltrud Neidhardt zuerkannt. Sie führt die Geschäfte des Pharmazeutischen Kontroll- und Herstellungslabors in Halle. Auf Platz drei setzte die Jury Cornelia Heidrich, Chefin von PFLEGE mobil Cornelia Heidrich in Bitterfeld-Wolfen.

Außerdem wurde der Sonderpreis "Kreativ" vergeben. Diplom-Designerin Susan Krieger aus Halle wird mit einem individuellen Coaching im Wert von 1000 Euro begleitet. Die Chefin der Lydia in St. Petersburg GmbH hat ein Verfahren zur Veredelung von Textilien entwickelt und stellt unter anderem in Design und Preis exklusive Handtaschen her.