Magdeburg. Die ostdeutsche Wirtschaft war im vergangenen Jahr weniger stark von den Auswirkungen der Wirtschafts- und Finanzkrise betroffen als die westdeutsche. Zu diesem Ergebnis kommt der Ostdeutsche Bankenverband in einer aktuellen Studie.

"Selbstverständlich hat die durch die globale Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise ausgelöste Rezession auch die ostdeutschen Regionen nachhaltig beeinträchtigt", heißt es darin. "Dennoch verzeichnete der Osten der Republik im Vergleich zum westlichen Bundesgebiet durchschnittlich ein geringeres Minus. Die Wirtschaftsentwicklung verlief letztlich insgesamt weniger schlecht als vielfach erwartet."

Als Gründe machen die privaten Banken zwei Strukturdefizite der ostdeutschen Wirtschaft aus, die sich in der Krise als Vorteil erwiesen hätten. Zum einen sei dies die im Ost-West-Vergleich immer noch "unterdurchschnittliche Auslandsorientierung", zum anderen das "hohe Gewicht kleiner mittelständischer Betriebe". So seien die Exporteinbrüche insgesamt geringer ausgefallen. Die kleinen Betriebsgrößen hätten zudem die Möglichkeiten geboten, flexibler auf den Krisenverlauf reagieren zu können.

Da der beginnende Konjunkturaufschwung jedoch wieder vom Export getrieben sei, dürfte daran die ostdeutsche Wirtschaft in geringerem Maße teilhaben als die westdeutsche, zeigen die Banken auch die Kehrseite der Medaille auf.

Was die Geldversorgung der Unternehmen anbelangt, kommt der Verband zu der Einschätzung, dass im vergangenen Jahr die Kreditvergabe an die ostdeutsche Wirtschaft weder bei den privaten Banken noch bei den Sparkassen und Genossenschaftsbanken eingebrochen ist. Bei Krediten an Unternehmen habe sich die Nachfrage bezogen auf Investitionen krisenbedingt stark rückläufig entwickelt. Demgegenüber habe sich die Nachfrage nach Liquiditätsmitteln und frischem Eigenkapital erhöht.

"Faktisch ist es zu keiner Kreditklemme gekommen", konstatiert der Bankenverband. Subjektiv, merkt er jedoch an, sei von Unternehmen insbesondere der erhöhte Informationsbedarf der Kreditgeber zu den individuellen Auswirkungen der Krise als Erschwernis der Kreditaufnahme und damit als Kreditklemme empfunden worden.

Vor dem Hintergrund der Konjunkturprognosen für dieses und das nächste Jahr, die für ganz Deutschland wieder ein Wachstum erwarten lassen, geht der Verband davon aus, dass dieses im Osten verhaltener ausfallen dürfte. Insbesondere Investitionen seien wegen der unterdurchschnittlichen Produktionsauslastung der Betriebe "nur in begrenztem Rahmen" zu erwarten.

Auch aus diesem Grund stehe die Mittelstandsfinanzierung vor besonderen Herausforderungen, glaubt der Bankenverband. Zwar seien die Unternehmen unter anderem dank einer in den vergangenen Jahren deutlich ausgebauten Eigenkapitalbasis in einer wesentlich besseren Ausgangsverfassung als in der vorausgegangenen konjunkturellen Schwächephase zu Anfang des Jahrzehnts. Durch den Krisenverlauf sei es aber vielfach zu einem starken Eigenkapitalverzehr gekommen. Zudem könnten zum Teil Liquiditätsengpässe entstehen, wenn im Zuge der wirtschaftlichen Erholungsphase wieder umfangreiche Auftragsvorfinanzierungen anstünden.

"Angesichts der vielfach vorhersehbaren schlechteren Ratings aufgrund der 2009er-Bilanzen wird es in den nächsten Monaten auf eine intensive Finanzkommunikation der Unternehmen mit ihrer Hausbank ankommen, bei der so detailliert wie möglich die aktuellen Geschäftsperspektiven dargelegt werden", schlussfolgert der Verband: "Nur dann wird es der Hausbank möglich sein, unter Einsatz der vielfältigen Förderinstrumente – stille Beteiligungen der mittelständischen Beteiligungsgesellschaften, Nachrangdarlehen von Förderbanken zur Schließung einer Eigenkapitallücke oder Bürgschaften der Bürgschaftsbanken als Sicherheitenersatz – eine Gesamtfinanzierung zu strukturieren, die den Weg aus der Krise sichert."

Der Ostdeutsche Bankenverband mit Sitz in Berlin vertritt die privaten Banken in den ostdeutschen Bundesländern und Berlin. Zu seinen derzeit 47 Mitgliedsbanken zählen Großbanken, Regional- und Spezialbanken sowie Privatban- kiers.