In einem Brief hat sich der Karstadt-Kaufinteressent Triton direkt an die Karstadt-Mitarbeiter gewandt. Darin heißt es unter anderem, Karstadt verfüge über große Stärken, habe aber "leider auch große Schwächen". Die Gewerkschaft Verdi lehnt weitere Zugeständnisse der Beschäftigten zur Rettung der Warenhauskette ab. In Sachsen-Anhalt hat Karstadt zwei Häuser in Magdeburg und Dessau-Roßlau mit insgesamt 450 Beschäftigten.

Berlin/Magdeburg (dpa/ddp/ts). In dem Schreiben der Triton Beteiligungsberatung GmbH (Frankfurt/Main) heißt es unter anderem, die Warenhauskette Karstadt verfüge über große Stärken, motivierte Mitarbeiter und erfolgreiche Sortimente, habe aber "leider auch große Schwächen".

Dazu zählten etwa Verluste in bestimmten Sortimenten, unflexible Vergütungsstrukturen, hohe Mieten und Investitionsbedarf an vielen Standorten. Damit es gelinge, Karstadt schnell für die Kunden attraktiver und flexibler zu machen, halte Triton leistungsbezogene Vergütungsstrukturen, flexible, an der Kundenfrequenz ausgerichtete Arbeitszeitregelungen sowie die langfristige Sicherstellung marktgerechter Mietkosten für "unverzichtbar".

Die 25 000 Karstadt-Beschäftigten sowie Vermieter und Dienstleister hatten sich bereits im Insolvenzplan zu Einschnitten in Millionenhöhe bereiterklärt. Die Karstadt-Gläubiger sollen auf bis zu 97 Prozent ihrer angemeldeten Forderungen von 2,7 Milliarden Euro verzichten. In Medienberichten hieß es, Triton wolle als Kaufpreis 30 Millionen Euro an den Insolvenzverwalter zahlen. 60 Millionen Euro würden in das Unternehmen investiert.

Die Gewerkschaft Verdi lehnt weitere Zugeständnisse der Beschäftigten zur Rettung der Warenhauskette ab. Die stellvertretende Vorsitzende Margret Mönig-Raane will mit Triton ein klärendes Gespräch über mögliche Forderungen im Falle einer Übernahme führen. Medienberichten zufolge will der Finanzinvestor Triton 4000 der 25 000 Arbeitsplätze streichen sowie Tarifleistungen und Mieten kürzen.

Ein Triton-Sprecher sagte, es gebe einen Gesprächstermin mit der Dienstleistungsgewerkschaft Verdi. Man werde sich in den nächsten Tagen treffen. Die Zahl von 4000 Stellenstreichungen bezeichnete er als Spekulation. Triton suche nach unternehmerischen Lösungen: Beispielsweise könnten erfolgreiche Sparten zulasten von Verlustbringern vergrößert werden. Auch könnten neue Mieter schwache Segmente übernehmen. Das würde Veränderungen für das Personal nach sich ziehen. Möglicherweise könnten Mitarbeiter wechseln. Triton wolle aber auch "erhebliche" Investitionen in die Mitarbeiterausbildung, die eigenen Sortimente und insbesondere die Attraktivität der Häuser vornehmen, heißt es in dem Brief weiter.

Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg spielt in den Gesprächen keine tragende Rolle. Görg habe nur die Interessen der Gläubiger zu vertreten, sagte sein Sprecher. Triton müsse selbst mit Verdi oder den Vermietern der Warenhäuser reden.

In Sachsen-Anhalt hat Karstadt Kaufhäuser in Magdeburg und Dessau-Roßlau mit insgesamt 450 Beschäftigten. Karstadt hatte bereits angekündigt, einen hohen Eurobetrag in die Modernisierung des Hauses in Magdeburg stecken zu wollen. Dort beschäftigt Karstadt etwa 250 Mitarbeiter und gehört neben dem Allee-Center und dem City Carré zu den großen Einkaufsmagneten der Landeshauptstadt.

Karstadt ist Mieter der bundesweit 120 verbliebenen Warenhäuser. Die Mehrzahl der Filialen gehört dem Immobilienfonds Highstreet der Investmentbank Goldman Sachs. Görg hatte ausgehandelt, dass Highstreet für einen potenziellen Käufer auf Mieteinnahmen von 150 Millionen Euro verzichten würde.