München (dpa). Nach dem überstürzten Rücktritt von Axel Wieandt als Chef des verstaatlichten Immobilienfinanzierers Hypo Real Estate reißen die Spekulationen über die Gründe für seinen Streit mit dem Bund nicht ab. Nach Informationen des Magazins "Spiegel" hat Wieandt vor allem aus Furcht vor Haftungsklauseln des Bankenrettungsfonds SoFFin seinen Posten geräumt. Ein HRE-Sprecher wollte den Bericht am Samstag in München nicht kommentieren.

Hintergrund waren dem Magazin-Bericht zufolge zähe Verhandlungen zwischen Wieandt und Soffin über die Unterzeichnung eines Rahmenvertrages. Der Fonds wolle unter anderem Informationspflichten in kurzen Intervallen durchsetzen. Bei Verstößen gegen die Regelungen fordere der Soffin Strafen in Millionenhöhe, die die Bank auf die Vorstände abwälzen könne. Besonders solche Haftungsklauseln habe Wieandt vehement bekämpft, schrieb das Magazin. Wieandt hatte am vergangenen Donnerstag, einen Tag vor der HRE- Bilanz-Pressekonferenz, völlig überraschend seinen Posten geräumt.

Zu den Hintergründen hatte es am Donnerstag zunächst geheißen, Wieandt habe wegen unterschiedlicher Auffassungen bezüglich der Geschäftsleitung zwischen ihm und dem Soffin seinen Rücktritt angeboten. Am Freitag erklärte HRE-Aufsichtsratschef Bernd Thiemann, dem Rücktritt des Vorstandschefs seien Streitigkeiten zwischen Wieandt und dem "Alleineigentümer" Bund vorausgegangen. Dabei sei es sowohl um Abstimmungsprozesse als auch um Boni für HRE-Mitarbeiter gegangen. Wieandt soll sich daran gestört haben, dass Gelder für die HRE nur scheibchenweise vom Bund zur Verfügung gestellt wurden.

Dem "Spiegel"-Bericht zufolge störte sich Wieandt an der Begrenzung der Gehälter. Laut Vertrag habe der Vorstand darauf hinwirken sollen, alle Gehälter auch in den Tochtergesellschaften auf 500 000 Euro zu deckeln. Dies soll auch für hochbezahlte Investmentbanker in Auslandsstandorten wie Dublin und New York gelten. Die HRE war nach der knapp verhinderten Pleite und Hilfen von mehr als 100 Milliarden Euro im Herbst vergangenen Jahres vollständig verstaatlicht worden.

Der Konzern steckt noch immer tief in den roten Zahlen und sieht frühestens für 2012 eine Rückkehr in die Gewinnzone. Unter dem Strich belastete die HRE den Bund als Eigentümer bis zum Jahresende 2009 mit einem Verlust von rund 2,2 Milliarden Euro.