Der Schiffsverkehr im Nordosten Deutschlands wird von Magdeburg und Brandenburg aus überwacht. Rund um die Uhr sind die "Tower" besetzt. Reinhard Schultze leitet den Außenbezirk Genthin und ist da, wenn es auf dem Elbe-Havel-Kanal eine Havarie gibt.

Genthin l Gibt es entlang des Elbe-Havel-Kanals zwischen der ersten Brücke hinter Niegripp und dem Ende im Wendsee in Brandenburg ein bautechnisches Problem, dann ist Reinhard Schultze zur Stelle. Er leitet den Außenbezirk Genthin des Wasser- und Schiffahrts-amtes Brandenburg. "Kommt es zu einer Havarie, handelt wer zuerst vor Ort ist", sagt Schultze.

Das könnten auch die Kollegen aus Magdeburg sein. Ein wenig unscheinbar kommt das Gebäude der Wasser- und Schifffahrtsverwaltung ein paar Meter hinter der Gaststätte am Schiffshebewerk daher. Doch die 14 Schichtleiter haben hier die Verantwortung für nahezu 3000 Kilometer an Wasserstraßen. Sie sorgen für den Informationsfluss und im Fall der Fälle für Streckensperrungen auf der Elbe zwischen deutsch-tschechischer Grenze und dem Elbkilometer 607 bei Geestacht, zwischen dem östlichen Teil des Mittellandkanals zwischen Elbeu und der Oder, zwischen Halle an der Saale und Lübeck. Im Prinzip also fast der gesamte Nordosten Deutschlands.

Einer der Mitarbeiter in der Revierzentrale ist Detlev Matz. Vor ihm bedeckt eine Tafel die ganze Wand. Hier sind die Bundeswasserstraßen in seinem Verantwortungsbereich eingezeichnet. Die Schleusen sind zu sehen, aber auch kleine gelbe Felder mit Nummern. Sieht ein wenig aus wie die Schilder an Bundesstraßen. Detlev Matz erläutert: "Dabei handelt es sich um die Funkfrequenzen, auf denen wir in den jeweiligen Bereichen mit den Schiffsführern in Kontakt stehen."

Keine Kür für neugierige Kapitäne ist das, sondern Pflicht. Die Binnenschiffer sind verpflichtet, auf Empfang zu gehen. Detlev Matz erläutert den Grund dafür: "Wenn wegen einer Havarie oder wegen einer Baustelle eine Strecke gesperrt werden muss, dann informieren wir auf diesem Weg die Binnenschiffer."

Beim Thema Baustelle hat für Reinhard Schultze in Genthin derzeit die neue Schleusenkammer in Zerben Priorität. Die Kammer wird parallel errichtet. "Während des gesamten Neubaus wird darauf geachtet, dass die Schleuse in Betrieb bleiben kann", erklärt der Außenbezirksleiter. Eine günstige Alternative für die Schifffahrt gäbe es nicht.

Im vergangenen Jahr wurde mit dem Neubau begonnen. Schultzes erstes Fazit: "Die Beeinträchtigungen für die Wasserstraße sind geringfügig." Es käme nur zu etwas mehr Verkehr, da das ausgehobene Material über den Wasserweg abtransportiert werden muss. Doch das führe nicht zu Problemen. Im Gegensatz zu einer ernsten Betriebsstörung.

Detlev Matz erläutert, warum mit einer solchen Situation nicht zu spaßen sei: "Wenn jemand mit dem Auto liegen bleibt, dann ist das natürlich ärgerlich. Bei einem Schiff ist so etwas eine echte Gefahr." Die Schiffe mit 80 Metern Länge und acht bis neun Metern Breite sind ungleich schwerer zu handhaben als ein Auto, und angesichts der Strömungen und Wassertemperaturen kann im Fall einer zunächst harmlos erscheinenden Havarie schnell Gefahr für Leib und Leben bestehen. Und auch das Wieder-Flottmachen eines havarierten Schiffs ist keine einfache Übung angesichts der Massen an Stahl und Ladung, die von den Helfern bewegt werden muss. Um beim Vergleich zu bleiben: Ein einfacher Abschlepper vom Pannenhilfsdienst reicht da zuweilen nicht aus.

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