Altengrabow l Der Endbericht des Leibniz-Instituts für Zoo- und Wildtierforschung in Berlin liegt noch nicht vor. Der Zwischenbericht dagegen weist auf Kachexie (allgemeiner Kräfteverfall) hin. Es ist der Bericht zu dem Tier, das kurz vor Weihnachten tot auf dem Truppenübungsplatz Altengrabow vom Revierleiter Joachim Simon gefunden wurde. Klaus Puffer, Wolfsbeauftragter des Bundesforstbetriebes Nördliches Sachsen- Anhalt: "Das Tier hatte teilweise nur noch spärliche Behaarung, was auf Räude hindeutet."

Die ansteckende Krankheit wird durch bestimmte Grabmilben verursacht. Die Parasiten greifen die Haut an und führen unter anderem zum Haarausfall. Häufig erkranken gerade Wolfswelpen an Räude. "Ihr Immunsystem ist noch nicht so stark wie bei ausgewachsenen Wölfen, daher kann die Krankheit bei Welpen oft zum Tode führen", erklärt Puffer. Die jährliche Sterblichkeit bei den Tieren liege zwischen 0 und 50 Prozent, so der Wolfsexperte. Die Infizierung der Tiere erfolgt durch Direktkontakt der Tiere untereinander oder auch durch mit Räude infizierten Füchsen. Neben sogenannten Fehlstellen im Fell, wo die Haut durchscheint, leiden die Tiere an Juckreiz und Hautentzündungen. Eine Erkrankung passiert öfter, eher selten ist dann das Auffinden des Tieres. "Die Wölfe suchen zum Sterben eher einen dichten Bewuchs und sind daher schwer zu finden", erklärt Puffer.

Der im Dezember aufgefundene Wolf war ein weibliches Tier, wahrscheinlich aus dem Wurf von 2013, vermutet der Experte. Jenes stammt aus dem Brandenburger Teil, wie Puffer versichert. "Wie viele Tiere mittlerweile an Räude im Landkreis Jerichower Land gestorben sind, lässt sich allerdings nicht sagen", so der Experte. Letztendlich sei nicht nur die Räude die Ursache, die zum Tod eines Tieres führt. Das Tier sei schon durch andere Erkrankungen des Immunsystems geschwächt. Die Räude ist dann ein Faktor von vielen, so Puffer. Vitale Tiere heilen diese Krankheit auch aus. Die Fehlstellen im Fell würden dann auch wieder nachwachsen.

Eine Übertragung der Krankheit auf den Menschen und auf Haustiere sei möglich, aber selten, und wenn lässt es sich gut behandeln und ist letztendlich für den Menschen ungefährlich. "Es gibt eine Vielzahl von verschiedenen Milbenarten, die unter anderem auch den Menschen befallen können", erklärt Puffer. Das Krankheitsbild kann bei uns unter Umständen anders aussehen. "Dennoch wird auch der Mensch einen sehr intensiven Juckreiz verspüren. Durch das Aufkratzen der entstandenen Hautbläschen entstehen Hautläsionen", beschreibt der Experte. Generell gilt deswegen auch, dass zufällig tot gefundene Wildtiere aus hygienischen Gründen nicht oder nur mit Gummihandschuhen angefasst werden sollen.

Durch Monitoringansätze und Fotofallenauswertungen seitens des Bundesforstbetriebes wurden mindestens acht Welpen für das Altengrabower Rudel im Jahr 2013 nachgewiesen. "Es wurden also bis jetzt durch die Altengrabower Wölfin seit 2009 37 Welpen geboren", fasst Puffer die Situation der Wölfe im vergangenen Jahr auf dem Truppenübungsplatz zusammen. Jedoch ist der Tod eines Wolfes durch die Räude keine Seltenheit. "Dadurch erfahren die Tiere eine natürliche Auslese", sagt Puffer.

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