Gut hundert Fahrgäste konnten am Sonntagnachmittag die Mitglieder der Dampfzugbetriebsgemeinschaft Loburg bei der diesjährigen Fahrt des Glühweinexpresses begrüßen. Seit längerer Zeit ging es dieses Mal nicht in Richtung Altengrabow, sondern mal wieder in Richtung Bahnhof Büden.

Loburg/Büden l Wenn schon der Traditionszug leider immer noch nicht mit einer echten Dampflokomotive betrieben werden kann, so standen dem "Glühweinexpress" immerhin zwei Diesellokomotiven zum Antrieb zur Verfügung. Eine vorne, eine hinten - so konnte man möglichen Problemen am Bahnhof Büden vorbeugen, denn hier war eine Baustelle im Gleisbereich gemeldet worden. Allerdings wurden interessierte Eisenbahn-Fans dadurch um das Vergnügen gebracht, beim Umkoppeln der Lok zuschauen zu können.

Reisen in der aufgemöbelten "Gartenlaube"

Mit der Resonanz der Besucher konnten die Organisatoren zufrieden sein. Die angehängten fünf historischen Waggons waren alle gut besetzt. Bei strahlendem Sonnenschein trat man die Fahrt durch Felder und Dörfer an. Mitglieder des Traditionsvereines machten zu Beginn der Fahrt immer wieder darauf aufmerksam, in was für einem Wagen man denn gerade Platz genommen hat. "Sie sitzen gerade in einem Behelfspersonenwagen, der in Görlitz gebaut worden ist", erklärte etwa Bahnexperte Erwin Nohl in einem der Waggons. Die Holzbänke wurden dagegen erst in den Loburger Werkstätten eingebaut. Einen Waggon weiter, erläutert Nohl die Historie der sogenannten "Gartenlaube", eines ehemaligen Lazarettwagens. Der gut 100 Jahre alte Waggon wurde in Loburg liebevoll und mit strengem Blick auf den Originalzustand wieder aufgebaut. Die Holzbänke sind trotzdem gar nicht so unbequem.

Und mollig warm ist es in allen Abteilen auch: dafür sorgen die Kohleöfen, die zum Teil mitten im Mittelgang eingebaut sind. Zum Schutz der Passagiere mussten hier schmucke Schutzgitter drumherum gebaut werden.

Für zusätzliche Wärme sorgen die Barwagen, über die der Verein verfügt. Auf der Fahrt nach Büden und zurück wurde am Sonntag gleich hinter der Lok einer dieser rollenden Verkaufsstände eingerichtet. Über den Tresen wurden Kaffee, Kuchen, Würstchen und - natürlich - Glühwein gereicht.

Hausmusik und Lob vom Experten aus Polen

Ein besonderer Service - einer der in den Zügen der stocknüchternen Deutschen Bahn übrigens als Ordnungswidrigkeit geahndet wird - wurde den Mitfahrenden ebenfalls geboten: mit der Mundharmonika musizierend wanderten zwei Vereinsfreunde durch die Waggons und sorgten zusätzlich für gute Stimmung.

Als besonderen Fahrgast begrüßten die Loburger am Sonntag Ulrich Twardowski. Der gebürtige Pole, der lange bei der polnischen Eisenbahn tätig war, begleitete den Loburger Traditionszug in originaler Bahnuniform. Seit einigen Jahren lebt Twardowski in Deutschland und hat sich in Wolfenbüttel ein ausrangiertes Stellwerk gekauft. "Es ist schon sehr schön, dass die Leute im Jerichower Land sich so sehr für ihre historische Eisenbahn begeistern und solche Fahrten angeboten werden", lobte der Pole das Engagement des Loburger Arbeitskreises.

Gegen 17.10 Uhr rollte der historische Zug fahrplanmäßig wieder in Loburg ein. Aus Kostengründen darf der Loburger Verein nicht den vorhandenen Bahnsteig des Loburger Bahnhofes nutzen. Behelfstreppen kommen zum Einsatz.

Die nächste Gelegenheit zum Mitfahren bietet sich am Sonntag, 27. April, eine Woche nach Ostern am sogenannten Klein-Ostertag. Dann geht es mit dem "Osterhasen-Express" zum fröhlichen Ostereiersuchen voraussichtlich wieder zur ehemaligen Endstation nach Altengrabow.

Konkrete Angaben zu den Abfahrtszeiten und Anmeldemöglichkeiten gibt es rechtzeitig in der Volksstimme.

 

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