Burg l Die Stadt Burg hat die in Niegripp lebende Schriftstellerin Dorothea Iser (67) mit der Eintragung ins Goldene Buch der Stadt geehrt. "Für ihr außerordentliches Wirken im Brigitte-Reimann-Jahr 2013, verbunden mit ihrer bisherigen schriftstellerischen Lebensleistung", begründete Bürgermeister Jörg Rehbaum (SPD) in seiner Laudatio diese Würdigung.

"Dorothea Iser ist eine Frau, die die literarische Landschaft in Burg und Umgebung, in Sachsen-Anhalt und darüber hinaus geprägt hat", hob Rehbaum hervor. "Die immer wieder mit neuen Ideen für literarisches Schaffen begeisterte, die anstecken kann, mit Freude und Lebensmut Neuem begegnet, die schreibt und schreiben lässt. Sie ist ein leuchtendes Beispiel für viele Kulturschaffende und hat sich daher diese Eintragung in das Goldene Buch der Stadt Burg mehr als verdient."

Bürgermeister Rehbaum, der wegen des feierlichen Anlasses seine Amtskette trug, und der Stadtratsvorsitzende Markus Kurze begleiteten die Schriftstellerin zum Eintrag ins Goldene Buch.

Nach dem Eintrag und dem Blumenstrauß in den Farben der Stadt Burg dankte Dorothea Iser für die Ehrung. Dass sie heute hier stehe, sage viel über die Stadt Burg aus. Dann sprach sie über den Stress des Alltags und die damit verbundenen, oft niedrigen kulturellen Ansprüche. "Aber wenn ich mich damit begnüge, verliere ich von meinem Leben. Das, was mich einzigartig macht ... was mich begeistert, was mich treibt, was mich freut, erhält keine Chance. Wenn wir so leben, können Impulse bald nicht mehr empfangen werden und auch nicht weitergeben werden. Wir reagieren und funktionieren noch eine Weile. Doch sei es kein Zufall, "dass es immer mehr Menschen gibt, die ausgebrannt sind, die sich nicht spüren, die die Droge suchen, ganz gleich wie sie heißt." Es gebe auch in Burg viele Angebote, die dieser Entwicklung etwas entgegensetzen, das müsse so sein und so bleiben. Bildende Kunst, allerdings ohne Galerie, Musik, Kabarett, Kino, Soziokultur und Literatur. Und es gebe massenwirksame Angebote, die ohne jegliche Förderung auskommen, weil sie kommerziell ausgerichtet sind. Hierbei werde der Geschmack des Publikums nicht nur getroffen, sondern auch gebildet. "Wenn das die einzige Bildung ist, erst dann wird es problematisch."

Mit Blick auf die Literatur hob sie hervor: In der Regel sei es immer eine Auseinandersetzung mit den Figuren und ihren Konflikten. Der Leser setze sich damit auseinander. Das sei kein Berieseln. "Literatur hinterfragt gängige Denkmuster und schreibt gegen Vorurteile an ... Mit diesem Verständnis haben wir den Burger Autorenkreis aufgebaut."

Die Schriftstellerin versprühte Lebensmut und Zuversicht: "Aufgaben, die heute utopisch erscheinen, wie die Sanierung des Reimann-Geburtshauses in der Bahnhofstraße, können schon morgen gelöst werden. Man wird ja träumen dürfen, denn Träume sind ein Zukunftsfaktor. Für Burg heißt das: Das Reimann-Jahr ist vorbei, die Zukunft bleibt." Dafür bekam sie herzlichen Applaus der Stadträte.