Im über 100 Jahre alten Burger Kino bricht nach Ostern ein neues Zeitalter an - das der digitalen Projektionstechnik.

Burg l Andreas Müller, einer der ehrenamtlichen Filmvorführer des Vereins "Weitblick", der das Burg-Theater betreibt, kann sich bislang mit Fug und Recht als Handwerker bezeichnen, der unter anderem schwere Kartons schleppen, Mechanik warten und Filmrollen kleben muss. Dass Andreas Müller diese Arbeit Spaß macht, ist keine Frage, sonst würde er den Job kaum in seiner Freizeit und für Gotteslohn machen. Sein Herz hängt an den über 40 Jahre alten 35-mm-Filmprojektoren aus tschechoslowakischer Produktion, die in dieser Woche unter anderem "Die unendliche Geschichte" und "Spur der Steine" auf die weiße Wand am anderen Ende des Kinosaals werfen. Und dennoch freut sich Andreas Müller auf die Herausforderungen und Möglichkeiten, die die kurz bevor stehende Digitalisierung der Projektionstechnik mit sich bringt.

"Die Tage der analogen Filmrollen sind gezählt und so wurde es gerade für die kleinen Kinobetreiber immer schwieriger, aktuelle Filme im 35-mm-Format zu erhalten. Deshalb müssen auch die alten Projektoren im Burg-Theater jetzt der digitalen Projektionstechnik weichen", begründet Daniela Bethge vom Vorstand des Weitblick-Vereins die mit erheblichen Kosten verbundene Digitalisierung, die in der Oster-Schließzeit des Kinos, zwischen dem 10. und 23. April, vollzogen werden soll.

Die nötigen Investitionen für Projektor, Server, Tonanlage und neue Bildwand betragen 61 000 Euro. Da das Burger Kino in den letzten drei Jahren durchschnittlich mindestens 8000 Besucher pro Jahr hatte, gibt es für die Digitalisierung Fördermittel von Bund, Land und Filmverleihern. Dennoch muss der Verein einen nicht unerheblichen Eigenanteil stemmen: 25 000 Euro. Vorstandsmitglied Emanuel Conrady: "Der Eigenanteil wird aus Rücklagen unseres Vereins, einer Kreditaufnahme und zwei Spendenaktionen finanziert."

Die Spendenaktion "Aufrunden bitte" hat bereits gestern begonnen und richtet sich an die täglichen Kinogäste. Conrady: "Alle Gäste werden gebeten, bei der Zahlung ihrer Kinokarte oder Getränkerechnung auf den nächsthöheren Euro-Betrag aufzurunden. Sie Spende wird dann zu 100 Prozent zur Finanzierung der Digitalisierung verwendet." Darüber hinaus sollen ab Mai mit einer "Leinwandspende" weitere finanzielle Zuwendungen erbeten werden.

Die neuen Möglichkeiten des digitalen Kinos kennt Vorführer Andreas Müller: "Die Kinobesucher kommen in den Genuss einer Nullkopie. Das bedeutet, sie sehen und hören den Film so, wie sich die Filmemacher und Regisseure dies gedacht haben." Besser als bisher wird mit der Digitalisierung auf jeden Fall der Ton. "Die bisherige Tontechnik wird durch eine neue Endstufe und einen Subwoofer erweitert. Dadurch wird es im Burg-Theater nach der Digitalisierung einen echten 5.1-Dolby-Surround-Sound geben", erklärt Andreas Müller.

Zusätzlich bietet die neue Technik auch die Möglichkeit, Filme in der Originalsprache (mit und ohne Untertitel) abzuspielen. Auch Liveübertragungen von Sport- oder Kulturveranstaltungen auf die Kinoleinwand sind möglich (Public Viewing).

Ab 24. April wird "Monuments Men - Ungewöhnliche Helden" der erste Film sein, der im Burger Kino digital gezeigt wird. Filmvorführer Andreas Müller wird am Tag davor vom Paketzusteller keine Filmrollen (wie bisher), sondern eine kleine Festplatte in Empfang nehmen. "Ein Film mit einer Laufzeit von etwa 90 Minuten hat einen digitalen Umfang von etwa 300 Gigabyte", kennt sich Müller bereits aus. Auf dem Server müssen durch den Vorführer die Playlisten für die aktuelle Woche erstellt werden. "Es wird programmiert, wann welcher Film mit welchem Trailer davor gespielt wird", erklärt Müller. Zum Abspielen des Films wird per E-Mail für jeden Film vom Verleihservice ein Kennwort versandt. Der Filmvorführer startet die Vorstellung dann per Touchscreen ...

Doch völlig aus der Übung, was die analoge Technik betrifft, werden Andreas Müller und seine Kollegen nicht kommen: Ein analoger Projektor wird im Burg-Theater erhalten bleiben, um auch künftig Filmklassiker analog zeigen zu können.

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