Magdeburg/Gerwisch l Chemie, Bio und Technik, im Klärwerk Gerwisch fließen nicht nur die Abwässer Magdeburgs und von 21 Umlandgemeinden zusammen, sondern viele Grundlagen aus dem Schulunterricht. Vier Schüler der Sekundarschule "Leben lernen" Magdeburg durften, im Rahmen des Projektes Schüler machen Zeitung (SchmaZ), hinter die Kulissen des Klärwerks schauen.

"Fäkalien sind überall", erklärt Matthias Regner, Gruppenleiter des Anlagenbetriebes. "Fasst bitte keine Rohre an und desinfiziert nachher eure Hände." Gemeinsam mit Cornelia Kolberg, SchmaZ-Projektverantwortliche der Städtischen Werke Magdeburg (SWM), zeigt er den Achtklässlern die Anlage.

Ihre erste Station ist die sogenannte Fäkalannahme für abflusslose Sammelgruben. Regner geht in die Tiefe: "Diese Gruben sind beispielsweise in manchen Gärten vorhanden." Benjamin Gericke muss schmunzeln: "Kenn` ich aus Opas Garten", sagt er und notiert sich einige Fakten. Besonders beeindruckt sind die Schüler von den imposanten Faulbehältern: zwei eierförmige Kuppeln, in denen der enthaltene Schlamm ein Klärgas bildet.

Dieses kann sogar im hauseigenen Blockheizkraftwerk umgewandelt werden, sodass das Werk seinen Wärmebedarf zu 100 Prozent und seinen Strombedarf zu über 50 Prozent decken kann. "Ein ,Faulei` funktioniert etwa wie ein Weinballon", kommentiert Matthias Regner. Täglich gelangen pro Stunde etwa 2500 Kubikmeter Abwasser ins Klärwerk. Verantwortlich dafür sind zwei Pumpwerke in Magdeburg, am Cracauer Anger und in Rothensee.

Franzi Lichtenberg sieht zum ersten Mal ein Klärwerk von innen: "Es ist spannend, wie alles funktioniert und jetzt habe ich mal eine Vorstellung davon", sagt die Schülerin. Inga Plagemann hat bereits ein Klärwerk besichtigt. "Dieses hier ist etwas anders aufgebaut", sagt sie und meint damit den Säuberungsprozess: Anstatt chemischer Reinigung sind in Gerwisch mechanische und biologische Abläufe für die Abwasserreinigung verantwortlich. Mikroorganismen wie Pilze, Bakterien und andere Kleinstlebewesen helfen, gelöste Kohlenstoffverbindungen abzubauen.

"Wir Mitarbeiter sorgen lediglich für ideale Bedingungen für diese Mikroorganismen", sagt Matthias Regner. "Biologie, Chemie und Technik, bei uns kommt alles zusammen", berichtet der Gruppenleiter und hält den Jugendlichen vor Augen: "Da weiß man, wofür diese Fächer in der Schule gut waren."

40 Mitarbeiter sorgen im Klärwerk Gerwisch für einen reibungslosen Ablauf: Ingenieure, Meister und Facharbeiter. Cornelia Kolberg erklärt, welche Berufe hier wichtig sind. Dazu gehört auch die Fachkraft für Abwassertechnik, ein Ausbildungsberuf der SWM. Ann-Katrin Gerstung findet: "Toll, dass man so vieles über diese Berufe erfährt." Sie möchte allerdings Journalistin werden, ein Grund, warum sie bei SchmaZ mitmacht. Am letzten Becken angelangt, stellt die Schülerin erstaunt fest: "Hier könnte man sogar baden gehen" - von Abwasser keine Spur mehr.

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