Fast jede zehnte Sirene ist ein Fehlalarm. Anders gesagt: Im Landkreis gab es im vergangenen Jahr 102 Feuerwehreinsätze, obwohl es gar nicht brannte. Auslöser solcher Fehlalarme sind häufig Brandmeldeanlagen in Schulen, Firmen oder Krankenhäusern.

Burg/Genthin/Möckern l Rein in die Klamotten. Helm auf und ab in den roten Lkw mit Blaulicht. Feuerwehrleute sind nach einem Alarm binnen weniger Minuten am Einsatzort. Doch in jedem zehnten Fall kommt es am Ort des Geschehens zu keinem Einsatz - Fehlalarm. Bei fast 1000 Alarmierungen im Landkreis aus dem vergangenen Jahr ist dies 102-mal passiert. "Egal, was vorgefallen ist, wir fahren auf jeden Fall zum Schauplatz des Alarms", erklärt Kreisbrandmeister Walter Metscher. Seiner Ansicht nach handelt es sich häufig um "unsachgemäßen Umgang mit solchen Anlagen". Manchmal könne man die Mechanismen solcher Anlagen nicht beeinflussen. Soll heißen: "Mitunter lösen die betrieblichen Systeme Alarm aus, wenn Staub in der Luft liegt. Metscher: "Es gab einen Fall, da hat ein Spatz, der durchs offene Fenster kam, einen Feueralarm verursacht."

Schlimmer noch: In manchen Einrichtungen werden Fehlalarme zur Routine. Der Kreisbrandmeister erklärt: "Mitunter rufen Leute aus den betroffenen Häusern bei der Leitstelle an und erklären, es sei ein Fehlalarm. Doch die Feuerwehrleute sind vorsichtig in solchen Fällen: "Was ist, wenn ein Brandstifter anruft und Entwarnung gibt?" Jedoch gibt es in diversen Firmen autorisierte Personen, die den Einsatz abbrechen können.

Ausgerüstet mit Brandmeldeanlagen, die mit der Notruf-Leitstelle verbunden sind, sind Metscher zufolge im Landkreis 100 Schulen, Turnhallen, öffentliche Einrichtungen, Krankenhäuser und Betriebe.

Die meisten Fehlalarm-Einsätze absolvierten im vergangenen Jahr die Feuerwehren aus Burg, Genthin und Möckern. "Wir hatten im Vorjahr 29 Einsätze wegen Fehlalarms durch Brandmeldeanlagen", erklärt Burgs Wehrleiter Wolfram Stukenberg. Bei 142 Einsätzen sind dies 20 Prozent, also jeder fünfte Alarm.

Ein solcher Fehlalarm-Einsatz wird für die betroffenen Einrichtung beziehungsweise Firma nicht ganz billig. Die jeweilige Stadt- oder Gemeindeverwaltung stellt die Einsätze in Rechnung. Stukenberg: "Je nach Einsatzform und Entfernung kosten solche Fehlalarme zwischen 1000 und 2000 Euro. Sonntags kommt ein Zuschlag hinzu."

Aus Erfahrung kennt Stukenberg diverse Schwächen solcher Anlagen: "Es gibt natürlich verschiedene Qualitäten." Manchmal sei es aber nur der falsche Umgang. Stukenberg kennt einen Fall, wo "das Haarspray einer Frau in der Umkleide einen Alarm ausgelöst hat."

Auch bei solchen Alarmierungen geht alles ganz schnell. Je nachdem, welche Art von Brand auf dem Funkmeldeempfänger steht, werden Tanklöschfahrzeug, Drehleiter, Löschgruppenfahrzeug und Einsatzleiterwagen alarmiert. Stoppen kann einen solchen Einsatz höchstens ein autorisierter Anrufer aus der jeweiligen Einrichtung.

Spannend ist nicht nur für Wehrleiter Stukenberg die Frage, "wie mit Fehlmeldungen umgegangen wird, wenn die Brandmeldeanlagen für alle Wohnungen zur Pflicht werden"?

"Nach unseren Erfahrungen sind die Alarmierungen durch Störungen an Brandmeldeanlagen im Landesdurchschnitt", sagt Genthins Bürgermeister Thomas Barz. Auch seine Verwaltung erhebt Gebühren von den Verursachern: "Da besteht für uns kein Ermessensspielraum. Barz meint, dass "die Ausgaben für die jährliche Wartung solcher Anlagen sicherlich unter den Ausgaben eines Gebührenbescheides der Stadt liegen".

Im Vorjahr wurde die Genthiner Feuerwehr zu zwölf Fehlalarmierungen durch Brandmeldeanlagen gerufen. Das sind bei 142 Alarmierungen insgesamt gut acht Prozent aller Einsätze des Jahres." Barz: "Damit lag das Jahr 2013 auf dem Niveau der Vorjahre."

Je nach den Umständen und dem Umfang der Einsätze liegen die Kosten zwischen 85 und 300 Euro. Aber: Kommt ein kompletter Löschzug (vier Fahrzeuge und 22 Einsatzkräfte) zum Einsatz, würden sich die Kosten für eine halbe Stunde Einsatz in Genthin auf 417 Euro belaufen.

Die Anlage wieder zurückstellen, sprich wieder einsatzbereit zu machen können und dürfen nur autorisierte Feuerwehr-Führungskräfte.

Natürlich können funktionierende Brandmeldeanlagen Leben retten und manchmal größeren Schaden verhindern. Kreisbrandmeister Metscher erinnert sich an einen Fall aus Biederitz, wo ein technischer Defekt in der Werkstatt einer Firma einen Großbrand ausgelöst hatte: "Hier hatte die Meldeanlage größere Folgeschäden verhindert. Ansonsten wäre in der Nacht die Alarmierung sehr viel später eingegangen." Aus seiner Sicht sind solche Anlagen "eher Segen als Fluch".

 

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