Bei der Streicher Anlagenbau GmbH sucht die Unternehmensführung ständig Auszubildende. Um ausreichend Fachkräfte ausbilden zu können, bietet die Industrie- und Handelskammer an, Spanier für einen Job in Deutschland zu begeistern.

Gommern l Diesen Vorschlag machte Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer (IHK) Magdeburg, gestern bei einem Besuch des Anlagenbauers Streicher. Zusammen mit Tamara Zieschang (CDU), Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium Sachsen-Anhalt besuchte er das Unternehmen.

Rund 200 Beschäftigte zählt die Unternehmensgruppe bei den Anlagenbauern in Gommern. Breit aufgestellt ist das Unternehmen und in den verschiedensten Sparten tätig. Um den Fachkräftebedarf für die Zukunft zu decken, wirbt das Unternehmen nach eigenen Angaben auf zahlreichen regionalen Berufsmessen bei Schülern für eine Ausbildung. Ob sich in Zukunft aber noch ausreichend junge Menschen für einen Job in den Unternehmen finden lassen, sei ungewiss, hieß es.

Für ein Burger Unternehmen, sagte Wolfgang März, habe die IHK vor kurzem zwei Spanier nach Deutschland geholt, die hier eine Ausbildung beginnen wollten. In Spanien interessieren sich mehr als 1000 Bürger für einen Job in der Bundesrepublik, führte er weiter aus. Die IHK habe die Lebensläufe und Berufswünsche von vielen Spaniern, die gern hier arbeiten möchten, sagte er. Allerdings benötige die IHK mehrere Monate Vorlauf, um den jungen Spaniern die wichtigsten Kenntnisse der deutschen Sprache beibringen zu können. Die jungen Spanier seien zudem sehr motiviert, warb der Hauptgeschäftsführer für den Einsatz der Südeuropäer.

Bei einem Rundgang konnte sich die Staatssekretärin davon überzeugen, dass das Unternehmen aktuell gut mit Aufträgen ausgelastet ist. Die Montagehallen sind zurzeit sehr voll, zeigten die Abteilungsleiter bei dem Rundgang. Dabei sind die Fachleute aus Gommern weltweit im Einsatz. Gute Geschäftsbeziehungen gebe es unter anderem zu japanischen Unternehmen.

Stark ausgerichtet ist der Standort Gommern auf Anlagenteile zur Gasverarbeitung. Komponenten liefert das Unternehmen aber auch für Raffinerien. Ein wichtiges Geschäftsfeld ist außerdem die Biogaserzeugung. Allerdings sei die Zukunft der Energieerzeugung aus Biomasse sehr ungewiss, beklagten die Abteilungsleiter in einem Gespräch. Das Thema erneuerbare Energien treibt die Fachleute aber um. So arbeiten sie an einer technischen Lösung aus Windstrom Wasserstoff zu erzeugen. Dabei wird der Windstrom zur Spaltung von Wasser benutzt. Damit könnte der nicht immer nutzbare Windstrom beispielsweise in Tanks gespeichert werden.

Gleich neben dem Anlagenbau gibt es eine weitere Sparte des Unternehmens. Hier befassen sich die rund 100 Mitarbeiter mit dem Bau und der Reparatur von Bohrgeräten. Mehrere Tausend Meter tief lässt sich mit den Bohrgestängen bohren. Wie es der Zufall wollte, stand beim Betriebsrundgang ausgerechnet eines der Geräte vor einer Halle.

Stark interessiert zeigt sich das Unternehmen an Aufträgen in Russland. Vor allem in der technischen Ausrüstung der Gasfelder gebe es einen enormen Investitions- und Erneuerungsbedarf, schätzte Abteilungsleiter Bernd Rabe ein. Sicher Fuß gefasst habe das Unternehmen bislang vor allem in Rumänien sowie in Tschechien. Gern würden die Gommeraner aber auch mit noch mehr Ländern handeln und technische Ausrüstungskomponenten liefern, sagten sie bei dem Besuch der Wirtschaftsstaatssekretärin.

Ganz nebenbei erfuhren die Gäste, dass sich die neue Elbbrücke für die Gommeraner auszahlt. Das Brückenbauwerk erlaubt dem Anlagenbauer nun die Nutzung des Schönebecker Hafens. Der Transport der großen Module für die Industrie sei nun viel einfacher geworden, freuten sich die Abteilungsleiter über den Brückenneubau zwischen Gommern und Schönebeck.