Möckern l Die ehrenamtlichen Blauröcke aus Stegelitz hoffen, neue Mitglieder für die Arbeit in der Feuerwehr begeistern zu können. Für den 23. Mai sind alle Interessierten zu einer Info-Veranstaltung im Gerätehaus eingeladen.

Die Bürger von Stegelitz sahen am Wochenende im wahrsten Sinne des Wortes rot: An nahezu allen Grundstückszäunen in Stegelitz baumelten am Sonntagmorgen knallrote Plastikeimer mit der Aufschrift "Haushaltslöscheimer" und dazu gab es ein Flugblatt mit außergewöhnlichem Inhalt. Darin heißt es, die Feuerwehr Stegelitz wende sich mit einem "Notruf" an die Bevölkerung von Stegelitz, denn: "Ihre Feuerwehr hat in den vergangenen drei Jahren zahlreiche Mitglieder durch Um- und Wegzug verloren". Damit - so heißt es auf dem professionell gemachten Papier weiter - sei das Ziel, eine leistungsstarke Feuerwehr zu sein, in akute Gefahr geraten.

Ganz so dramatisch sehe es in der Stegelitzer Wehr zur Zeit eigentlich noch nicht aus, räumt der Stegelitzer Ortsbürgermeister Erhard Fischer ein. Er trägt die Aktion seiner Wehrleute jedoch mit und wünscht sich ebenfalls neue Mitglieder in der Wehr: "Die Existenz einer Feuerwehr ist für viele Menschen eine Selbstverständlichkeit geworden. Dabei ist das nicht so. Unsere Feuerwehrleute nehmen viel Zeit und Arbeit auf sich, damit unsere Sicherheit gewährleistet ist", so Fischer.

Aktion soll mit Witz ernste Sorge ansprechen

Und der Trend stimmt durchaus bedenklich: "Wir haben eine gut aufgestellte Kinder- und Jugendwehr und jährlich werden neue Mitglieder in die aktive Wehr der Erwachsenen übernommen. Aber auch bei uns drohen Nachwuchssorgen, wenn nicht immer auch neue Leute dazukommen", sagt Erhard Fischer.

"Wenn die Sache Erfolg hat, könnte sie auch in anderen Ortsfeuerwehren aufgegriffen werden." - Erhard Fischer, Stegelitz

Die Aktion solle "mit einem gewissen Witz darauf aufmerksam machen, dass die ehrenamtliche Tätigkeit in einer Wehr wichtig ist", heißt es auf dem Flugblatt, das auch vom Stegelitzer Wehrleiter Hartmut Lehmann unterzeichnet ist.

Der angedeutete Witz an der Sache ist die auf der Vorderseite des Flugblattes abgedruckte Anleitung zum "Verhalten im Brandfall": So soll der vom Brand betroffene Bürger erstens den "Brand bei der Feuerwehr melden" und danach zweitens "zirka zehn Minuten warten" und drittens - "falls keine Feuerwehr vor Ort ist - den mitgelieferten Haushaltslöschkübel mit Wasser befüllen", um schlimmstenfalls viertens - "wenn das Feuer zu groß ist - die Nachbarn informieren und eine Kübelkette bilden". Sollte den Anwohnern diese Anweisung merkwürdig vorkommen, folgen auf der Rückseite des Informationsblattes einige Erläuterungen.

Die Aktion geht auf eine Idee der Freiwilligen Feuerwehr Vallstedt/Alvesse (bei Braunschweig) zurück. Deren inzwischen sogar preisgekrönte "Haushaltslöschkübel-Aktion" wurde bundesweit schon von vielen Ortsfeuerwehren aufgegriffen und nachgemacht. Für die Region Möckern könnte der Stegelitzer Start eine Art Pilotprojekt sein, sagt Ortschef Erhard Fischer: "Wenn die Sache Erfolg hat, könnte sie auch in anderen Ortsfeuerwehren aufgegriffen werden."

Feuerwehr auch für kulturelles Leben in Stegelitz wichtig

In dem verteilten Flugblatt wird auch die große Bedeutung der Feuerwehren für das kulturelle Leben und die Jugendarbeit hervorgehoben. "Ohne die Gewinnung von aktiven Frauen und Männern für den Einsatzdienst droht diese Stütze wegzubrechen", heißt es in dem Flugblatt.

Am Freitag, 23. Mai, um 19 Uhr sind alle Stegelitzer im wehrfähigen Alter - also von 18 bis 55 Jahren - dazu aufgerufen, sich im Feuerwehrgerätehaus Stegelitz in der Schulstraße über die Arbeit der Feuerwehr und die Anforderungen an den Dienst zu informieren.

"Ich hoffe sehr, dass an diesem Abend die Veranstaltung von allen Bürgern genutzt wird", so der Stegelitzer Ortsbürgermeister Erhard Fischer.