Vor einem Wahlmarathon stehen am Sonntag die fast 80000 Wahlberechtigten im Jerichower Land. Fünf Stimmgänge wird es geben: für Europa, Landrat, Kreistag, Stadt- bzw. Gemeinderat und den Ortschaftsrat. Mit neun Bewerbern gegenüber vier im Jahr 2007 verspricht vor allem die Landratswahl für erhebliche Spannung.

Burg/Genthin l Am Sonntag um 8 Uhr öffnen in 104 Wahlbezirken im Jerichower Land die Wahllokale ihre Pforten. Bis 18 Uhr haben 79851 Wahlberechtigte die Möglichkeit, Einfluss auf den Wahlausgang in fünf Abstimmungen zu nehmen.

Spannung pur verspricht die Landratswahl. Mit acht Herausforderern hat es der mächtig unter Druck stehende Amtsinhaber Lothar Finzelberg zu tun. Lutz-Georg Berkling (CDU), Steffen Burchhardt (SPD), Harry Czeke (Linke), Maik Barthel (Grüne) sowie die Einzelbewerber Edmund Herrmann, Gerhard Ritz, Werner Krömer und Matthias Rystau wollen Finzelberg das Amt streitig machen. Sollte am Sonntag keiner der Kandidaten über 50 Prozent der gültigen Stimmen kommen, geht es am 15. Juni in die Stichwahl der beiden Bestplatzierten.

2007 hatte Finzelberg gleich im ersten Wahlgang klar gewonnen. Mit 60,1 Prozent hatte er Armin Friedrichs (SPD/21,5), Jürgen Michalek (CDU/14,3) und Frank Zielinski (4,0) in die Schranken gewiesen. Die Wahlbeteiligung lag bei gerade 36 Prozent.

Seitdem ist viel passiert: Tongrubenskandal, Vorwürfe, Anzeigen, Klagen, Prozesse, Verurteilungen, Berufungen, Revision, noch gibt es keine rechtskräftigen Urteile.

Finzelberg kämpft. Er hat etwa 100 Wahlkampftermine. Sein Motto: "Es gibt gute Gründe, mich zu wählen." Finzelberg sagt, er sei unschuldig. Medien wirft er eine Kampagne gegen sich vor. Er verspürt Gegenwind.

Noch am 5. März supendiert ihn der Kreistag wegen einer nächsten Klage wegen Bestechung und Bestechlichkeit. Er muss das Landratsamt räumen. Knapp zwei Monate später, gut drei Wochen vor der Wahl, ist er wieder im Amt. Das Verwaltungsgericht Magdeburg hat dem Kreistag Formfehler in der Tagesordnung zur Kreistagssitzung bescheinigt, in der der Suspendierungsbeschluss gefasst worden war.

Und die anderen Kandidaten? Mühen sich. Alle wollen Finzelberg ablösen. Klare Kante zeigen sie nicht.

CDU-Mann Berkling wirbt auf 1000 Plakaten, schaltet Anzeigen, reiht Termin an Termin. SPD-Bewerber Burchhardt hat etwa 500 Plakate. 6000 Euro Wahlkampfetat speisen sich aus Parteigeldern, Spenden und eigenen Mitteln. 30 Stunden pro Woche wirbt er für seine Wahl. Ein ganzer Teil seines Urlaubs geht dabei drauf.

Die Linke und ihr Kandidat Harry Czeke werben vor allem mit allgemeinen Themen auf Plakaten. Die Grünen machen auf 750 Plakaten einen grünen Wahlkampf. Das Konterfei ihres Kandidaten Maik Barthel gibt es 100-mal.

Matthias Rystau hat ein T-Shirt und ein Auto mit Motto "Bewegt Euch!". Er nutzt stark soziale Netzwerke. Edmund Herrmann setzt auf Spenden und 600 Euro Wahlkampfetat. Gerhard Ritz, von der CDU nicht nominiert, tritt Anfang Mai aus der CDU aus. 60 Stunden Wahlkampf in vier Wochen und 2000 Euro aus der eigenen Tasche bietet er auf.

Werner Krömers Motto ist "Freiheit - soviel uns immer möglich ist". Der FDP-Mann, den seine Partei nicht zum Kandidaten nominierte, hat nach eigenen Angaben 70 bis 80 Termine

Und die Parteien?

Die CDU hatte 2009 in der Kreistagswahl gesiegt, mit 29,8 Prozent (14 Sitze). Die SPD kam auf 25,5 Prozent (12), die Linke auf 15,8 (8), die FDP auf 6,5 (3), die Grünen auf 2,9 (2), die NPD auf 2,3 Prozent (1). Sechs Wählergemeinschaften holten 15 Prozent (8 Sitze).

Am Sonntag bewerben sich 197 Kandidaten in den drei Wahlbereichen um den Einzug in den Kreistag. Zehn Listen treten an, CDU, SPD, Linke, FDP, Grüne und fünf Wählergemeinschaften.