Der Burger Meynhardt-Freundeskreis will jetzt einen weiteren Vorstoß unternehmen, um an Kopien von Filmen des Burger Tier- und Verhaltensforschers zu gelangen, die in einem sächsischen Archiv lagern.

Burg l Es ist schon seit Jahren das Bestreben des Freundeskreises "Dr. Heinz Meynhardt", in den Besitz aller Filme des weltweit bekannten Burger Tier- und Verhaltensforschers zu gelangen. Wenigstens als Kopien. "Damit haben wie uns abgefunden, dass wir die Originale nicht in die Hand bekommen", muss Dr. Ulrich Weber im Einklang mit den Mitgliedern des Freundeskreises fast resignierend feststellen. Jetzt hat er mit einem weiteren Mitglied den Auftrag des Vereins übertragen bekommen, einen erneuten Vorstoß zu organisieren, wenigstens die Kopien für den Besitz der Burger Meynhardt-Freunde zu sichern.

Die Vorgeschichte ist dabei ein Kapitel für sich: 2012 veröffentlichte der freie Journalist Dr. Volker Petzold im "Sächsischen Archivblatt" einen Artikel zum Schaffen und Wirken des promovierten Tierfreundes und "Wildscheins ehrenhalber". Nicht ganz nebenbei erfuhr der hiesige Freundeskreis aus dem Beitrag, aber auch von Petzold selbst, dass im Sachsen-Staatsarchiv Wermsdorf sämtliche von Heinz Meynhardt geschaffenen Filme lagern. "Insgesamt sind es 63 Filme, deren Themen zum guten Teil noch weit vor Meynhardts Wildschweinforschung angesiedelt sind. Kenner Meynhardts wissen bestens, dass er sich zuvor für die Wellensittichaufzucht interessierte, für verschiedene Hunderassen und einige Reisen in das rumänische Donaudelta unternommen hatte", erinnert Dr. Weber. Warum die Meynhardt-Werke in Sachsen gelandet sind, lässt sich schnell erklären. Die Witwe von Meynhardt soll nach dem Tod ihres Gatten im Jahr 1989 das Filmpaket an Dr. Stein, inzwischen verstorben, übergeben haben. Stein, gleichfalls profilierter Tierfilmer, soll der gewesen sein, der am Anfang über Jahre Heinz Meynhardt die Kniffe der Tierfilmerei beigebracht habe. "Gegen die Übereignung ist auch nichts zu sagen, dass er von Frau Meynhardt die 63 Filme erhalten hat", meint Dr. Weber. Der Filmbestand sei aber anschließend 1998 als Schenkung dem Sächsischen Staatsarchiv Leipzig anvertraut worden, weiß der 87-jährige Burger Tierarzt aus dem Briefwechsel mit Leipzig.

Man war unter den Burger Meynhardt-Verehrern anfangs der vagen Hoffnung, dass der Gesamtbestand in die Heimatstadt des Verhaltensforschers zurückgeführt werden könnte. Sie wurden aber bald eines Besseren belehrt. Die Antwort aus Leipzig zusammengefasst: Durch die Schenkung 1998 wurde das Filmwerk des Burgers rechtliches Eigentum des Freistaates Sachsen, speziell des sächsischen Staatsarchivs. Man habe aber Verständnis für das Ansinnen des Freundeskreises, hieß es schriftlich weiter, und wolle gern mit ihm kooperieren.

Um der Wahrheit die Ehre zu geben, müssen die Burger nicht bei Null anfangen. Dr. Ulrich Weber zur Erklärung: "Wir verfügen schon über 24 dieser Filme, inzwischen sämtlich digitalisiert, also zeitgemäß vorführgerecht. Aber die Anzahl reicht uns nicht. Die Filmmeter, um das zum Verständnis hinzuzufügen, sind damals auf 8- und 16-mm-Filmen angefertigt worden, was in den Varianten heute nicht mehr aufführbar ist."

Die Vorstellungen von ihm und seinen Vereinsfreunden sind unter anderem, "dass man doch einige der Streifen im Burger Kino mit der dort inzwischen vorhandenen digitalen Projektionstechnik zeigen könnte". Dr. Weber ist vom Wohlwollen des Kino-Vereins "Weitblick" überzeugt. Auch das Echo der Burger dürfte groß sein, ist Dr. Weber sicher.

Die Digitalisierung würde von Norbert Dittrich und Axel Frisch, beides Vereinsmitglieder, vorgenommen, wurde vorab besprochen.

Jetzt muss der Freundeskreis nur noch an die verbleibenden 39 Meynhardt-Produktionen herangekommen. "Das wollen wir erreichen, indem wir versuchen, die Magdeburger Staatskanzlei zu bitten, mit der Dresdener Staatskanzlei Verbindung aufzunehmen, damit mit deren Einfluss uns der Weg zu den restlichen Kopien der Hinterlassenschaft von Dr. Heinz Meynhardt frei gemacht wird. Mehr wollen wie doch nicht!", so Dr. Weber abschließend.