Wer einige Zeit nicht durch die Schulstraße gehen musste, aber sie jetzt durchquert, wird staunen, dass ein seit zwei Jahrzehnten leer stehender Fachwerkbau verschwunden ist.

Burg l Es handelt sich um die Schulstraße 46, die zumeist älteren Burgern bekannt sein dürfte, weil sich dort ein stadtbekannter Milchladen befunden hatte. Aber das ist schon lange her. Fakt ist aber wohl, dass zu bedauern ist, dass das große Fachwerkhaus Jahr für Jahr immer mehr verfiel. Ein schmerzlicher Fall im Besonderen, da das Haus als Baudenkmal eingestuft war.

Gekauft hat das Gebäude vor drei Jahren Katrin Eisenbeiß, die im Nachbarhaus um die Ecke, in der Großen Brahmstraße, seit 1999 eine Physiotherapie betreibt. Ziel des Erwerbs war, dass sie die Praxis erweitern wollte. "Ich hatte anfangs nicht die Absicht, das Haus abreißen zu lassen. Drei lange Jahre versuchte ich, vom Land Fördermittel zu bekommen, was letztlich nicht klappte. Die Stadtverwaltung machte mir zudem klar, dass ich bei einer umfassenden Sanierung das Dach mit Bibersteinen versehen müsste, Holzfenster einzubauen habe und Lehmputz anbringen lassen müsse. Eine Gesamtrechnung, die zu teuer und auch nicht wirtschaftlich gewesen wäre. Ich ließ ein Dokument zur so genannten Unzumutbarkeit einer Sanierung erarbeiten, so dass schließlich vom Denkmalsschutzamt Halle der Abriss genehmigt wurde", erzählt Katrin Eisenbeiß.

Abgesehen davon, dass die Fachwerkkonstruktion am alten Gebäude recht interessant war, entpuppte sich nach dem Abriss das Kellergewölbe als noch interessanter. Die bereits gegossene Betonplatte für den Neubau verbirgt nämlich zwei lang gestreckte, gewölbte Backsteindecken. Bis zu den Betonarbeiten waren sie gut zu erkennen. "Die beiden Kellerräume sind wirklich beeindruckend. Sie sollen um 1500 angelegt und als kühlender Vorratsraum und auch Brauereikeller genutzt worden sein. Verlockend sicherlich für uns, aus ihnen nach Fertigstellung des neuen Gebäudes etwas zu machen. Das aber ist vorerst Zukunftsmusik", meint Katrin Eisenbeiß.

Stichwort Brauereikeller! Wer sich mit der Geschichte der Ihlestadt befasst hat, wird wissen, dass es einst über 200 Brauereien in Burg gegeben haben soll. So um das 17. Jahrhundert. Die berauschende Anzahl kann aber so leider nicht stehen bleiben.

Darauf jedenfalls hat Gerhard Mittendorf, ein bis zu seinem Lebensende vor zwei Jahren viel gefragter und respektierter Burger Heimatgeschichtler, oft aufmerksam gemacht. Es soll einen wichtigen Unterschied gegeben haben, was dunnemals als Brauerei galt oder nicht. Eine Brauerei war es nur, wenn der Besitzer das Braurecht für den Verkauf und den Handel seines Bieres von der Stadt zugesprochen bekam. Alle anderen durften nur ihren streng überwachten Eigenbedarf brauen, also in kleinen, familientauglichen Mengen. Laut Gerhard Mittendorf waren es 1724 unter anderem acht Tuchmacher, 17 Schuhmacher, drei Schneider, vier Bäcker und 16 Ackermänner, also Bauern, die eine öffentliche Brauerei im lukrativen Nebenberuf betreiben konnten.

Auch zu den Brauereikellern unter Burger Häusern hatte Gerhard Mittendorf Fakten und Erkenntnisse zusammengetragen und erkundet. Sie stammen zumeist aus älterer Zeit, die später darauf gebauten Fachwerkhäuser sind jüngeren Datums. Die Kellergeschosse hatten vielfach Feuersbrünste überstanden und bildeten zudem feste Fundamente für Nachbauten.

"Je nach Größe der Häuser und ihrer Bedeutung (Brauhaus) waren auch die Keller beschaffen. Bei verschiedenen Kellern in der Innenstadt muss festgestellt werden, dass ihre Ausdehnung nicht mit der des darauf stehenden Hauses übereinstimmt, dass sie eventuell bis unter das Nachbarhaus reichen. Sicher hängt das mit einer Veränderung der Grundstücksgrenzen bei einem Neubau zusammen", formulierte Mittendorf in einem seiner Beiträge in der vom Kreisheimatmuseum Burg 1970 herausgegebenen Heftreihe "Veröffentlichungen zur Burger Geschichte".

   

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