Kleine Menschen und große, alte Leute und junge, große Familien oder einsame Zeitge- nossen - auf dem Programm des Cornelius-Werks stehen unter anderem Begleitung, Betreuung und Beherbergung von Menschen, die beeinträchtigt oder benachteiligt sind. Seit kurzem gibt es eine neue Führungsspitze.

Burg l Gut Lüben an der Parchauer Chaussee ist das 100 Jahre alte Herzstück des Cornelius-Werks - und Verwaltungssitz. Seit diesem Monat wird die Einrichtung von einer Doppelspitze geführt. In einer offiziellen Mitteilung des Kuratoriumsvorsitzenden Jens Rannenberg klingt das so: "Simone Garnich und Stefan Böhme sind von der Gesellschafterversammlung als gemeinsame Geschäftsführung berufen worden."

Beide hatten nach dem plötzlichen Tod von Geschäftsführer Thomas Uhle (59) Ende März die Geschäfte als Prokuristen weitergeführt.

Insgesamt 380 Mitarbeiter

Das Cornelius-Werk gehört zur Diakonie in Mitteldeutschland und arbeitet auf zwei tragenden Säulen: Zum einen die Hilfe für Kinder, Jugendliche und Familien; zweitens die Altenhilfe-Angebote. Stefan Böhme stand und steht an der Spitze des Familien-Fachbereichs mit 200 Mitarbeitern in Sachsen-Anhalt. Das Spektrum reicht von der Heimerziehung in Wohngruppen über Horte und Tagesgruppen bis hin zur Schulsozialarbeit. Beispielsweise gibt es auf Gut Lüben einen evangelischen Schulhort, aber auch Wohngruppen, die wie größere Familien funktionieren. Eine weitere Wohngruppe sowie eine Beratungsstelle gibt es unter anderem in Genthin.

Aus Sicht von Bereichsleiter Stefan Böhme wird sich am Führungsstil der Einrichtung wenig ändern: "Beide Säulen spiegeln sich in der neuen Geschäftsführung wider. Es gibt keinen Grund, irgendetwas umzukrempeln." Stationär, also dauerhaft, kümmern sich Böhmes Mitarbeiter um 160 Leute in den Wohngruppen. Hinzu kommen etwa 80 junge Menschen, die in Tagesgruppen betreut werden. Zum Tagwerk gehören zudem elf Projekte. Beispielsweise eine Kinderschutz-Netzwerkstelle. Diese Angebote beziehen sich außer dem Jerichower Land auf Magdeburg, Stendal, Anhalt-Bitterfeld sowie Börde- und Salzlandkreis.

Der Fachbereich von Simone Garnich (52) ist die Altenhilfe. Hier sind 180 Mitarbeiter beschäftigt. Bekanntestes Gebäude ist das Altenhilfezentrum in Burg am Marienweg. Das Seniorenheim mit vier stationären Wohnbereichen enthält Wohnraum für 88 Senioren. Garnich: "Unser Haus verfügt ausschließlich über Einzelzimmer, inklusive Balkonen, barrierefreiem Sanitärbereich und hauseigener Küche." Ebenfalls am Marienweg gibt es das betreute Wohnen in 58 Appartements. Weiterer Bestandteil ist die Betreuung von demenzkranken Menschen im Käthe-Kollwitz-Haus. Eine Tagesbetreuung gibt es im Fortunatus-Haus an der Waldstraße in Burg. Das Corneliuswerk unterhält zudem einen ambulanten Pflegedienst und in Aschersleben eine Palliativ-Versorgung, also eine Begleitung für Menschen mit begrenzter Lebenserwartung.

Früher Jugendwerkhof

Außer Burg und Aschersleben hat das Cornelius-Werk Standorte in Haldensleben, Weferlingen, Walbeck und Hötensleben.

Auf Gut Lüben in Burg betreibt das Cornelius-Werk eine dauerhafte Betreuung für Kinder und Jugendliche mit Verhaltensauffälligkeiten oder seelischen Störungen. Hier leben etwa 40 junge Menschen in vier Wohngruppen. Das DDR-Regime hat das Areal bis 1990 als Jugendwerkhof, eine gefürchtete Strafanstalt, genutzt.

Das Gut wurde vor 100 Jahren als Landeserziehungsanstalt vom Preußischen Staat gebaut. Der benachbarte Hort war ursprünglich die Krankenstation der Landeserziehungsanstalt und wurde nach 1945 von der Roten Armee als Lazarett genutzt. Nach Jahren des Leerstandes hatte das Corneliuswerk 2011 mit der Sanierung des Gebäudes begonnen.

Auf Gut Lüben wohnen, arbeiten und lernen heute etwa 200 Menschen. Es gibt neben der evangelischen Grundschule und dem Hort Einrichtungen der Jugend- und Altenhilfe.