Die Justizvollzugsanstalt (JVA) in Burg ist verstärkt auf der Suche nach Freiwilligen, die sich einmal pro Woche mit den Häftlingen beschäftigen. Langfristig will die Anstaltsleitung Paten inte- grieren, die regelmäßig mit den Insassen in Kontakt treten.

Burg l Jürgen und Jutta Groth aus Burg machen es vor. Einmal pro Monat gehen sie in die JVA Burg und kochen mit den Sicherungsverwahrten der Haftanstalt (Volksstimme berichtete). Im März 2013 hat ihr Projekt begonnen und die Lust ist immer noch so frisch wie am ersten Tag. "Wir kennen die Taten nicht, und sehen als erstes immer den Menschen", begründen die beiden ihr Engagement.

Engagement, was sich die JVA-Verantwortlichen in Zukunft noch viel mehr wünschen. Die Haftanstalt ist auf der Suche nach Freiwilligen, die sich vorstellen können, einmal in der Woche ihre Freizeit mit den Häftlingen zu verbringen. "Als erstes schwebt uns ein weiterer Kochkurs vor", sagt die Leiterin des Sozialen Dienstes, Kathrin Jäger. Anstaltsleiter Thomas Wurzel ergänzt: "Eigentlich wollen wir den Freizeitbereich gar nicht vorgeben. Wir sind für jede Idee offen. Nachher entscheidet dann, wie das Angebot angenommen wird."

Als einzige feste Regel für die Freiwilligen gilt das Mindestalter von 18 Jahren. "Ein bisschen Lebenserfahrung sollte schon vorhanden sein", erklärt Wurzel. Weitere Voraussetzungen gibt es allerdings nicht. "Sie sollten über einen gesunden Menschenverstand verfügen, ein gesundes Misstrauen haben und sich dessen bewusst sein, regelmäßig ins Gefängnis zu kommen", sagt Wurzel. Zudem sollte man nicht zu gutgläubig sein. "Hier sitzen plötzlich ganz viele, die nach eigener Angabe unschuldig sind", erklärt Wurzel mit einem Hauch Ironie. Den zeitlichen Aufwand bestimmt der Freiwillige letztendlich selbst. Zwischen einer und drei Stunden pro Woche wäre wünschenswert. Ganz wichtig ist es, so der Anstaltsleiter, dass man es nicht aus Mitleid macht. "Das Angebot sollte letztendlich ein anspruchsvolles Ziel für beide Seiten sein."

Dabei werden die Freiwilligen nicht alleine gelassen. Vorgespräche mit den Mitarbeitern der JVA werden geführt. Bei den Veranstaltungen, die innerhalb der Haftanstalt stattfinden, wird auch immer ein Ansprechpartner mit vor Ort sein. "Richtige Schulungen sind in der Planung. Werden aber davon abhängig gemacht, wie groß die jeweiligen Gruppen sind", erzählt Kathrin Jäger. Generell werde das jeweilige Angebot dann aber allen 647 Insassen nahe gelegt. "Natürlich wird die Sicherheitsstufe der Häftlinge vorher überprüft. Es werden diejenigen nicht teilnehmen, bei denen wir Bedenken haben", betont Jäger. Theatergruppe, Kunstzirkel, eine andere Musikrichtung oder auch Bastelangebote - Vorstellungen hat die Anstaltsleitung viele. "Es gibt einen Plan etwas zu machen, aber nicht wie viel. Aus dem Haus können wir nur eine bestimmte Bandbreite abdecken und würden uns über Angebote von draußen freuen", sagt Wurzel.

Langfristig plane die Anstalt auch, Paten für die Insassen zu gewinnen, die den Kontakt zu den Häftlingen per Brief oder mit einem Besuch regelmäßig halten. "Viele Häftlinge sind losgelöst von ihren Familien und definieren sich nur über den Vollzug. Sie brauchen andere Facetten, am besten von außen", erklärt der Anstaltsleiter.

Die ehrenamtlichen Helfer sollen dann eine Mittlerfunktion übernehmen. "Es soll das Bild gezeichnet werden, dass ein Gefängnis nichts Abstraktes ist. Bestenfalls wird es als Facette des Lebens betrachtet und als Normalität transportiert", hofft Wurzel. So wie es das Burger Ehepaar Groth seit über einem Jahr macht und das mittlerweile die Häftlinge "unsere Jungs" nennt.

Wer Interesse hat, sich ein paar Stunden in der Woche mit den Häftlingen zu beschäftigen, kann sich per E-Mail an jva-burg@justiz.sachsen- anhalt.de oder per Post: Justizvollzugsanstalt Burg, Madel 100, 39288 Burg, melden.