Seit Montag gilt an der Kreuzung Bruchstraße/Grünstraße/Franzosenstraße in Burg auf Initiative der Polizei eine neue Vorfahrtsregelung. "Rechts vor links" hat sich nicht bewährt: Die Zahl der Unfälle stieg sprunghaft an.

Burg l Fragende Gesichter, wilde Gesten, lautes Hupen - die Kreuzung, an der die Franzosenstraße die Bruchstraße und die Grünstraße in Burg trennt, ist momentan ein schwieriges Pflaster. Seit Montag hat die Stadt die Regelung "Rechts vor links" abgeschafft. Dafür hat, wer von der Bruchstraße oder der Grünstraße kommt, jetzt Vorfahrt. Diese Änderung soll für mehr Klarheit sorgen - und letztlich einfacher sein, so die Stadtverwaltung.

Allerdings: Verinnerlicht haben die neue Regelung bisher die wenigsten. Die Macht der Gewohnheit lässt Auto- und Radfahrer noch immer anhalten. Viele scheinen die neuen Schilder einfach zu übersehen. Für so manchen Beobachter völlig unverständlich: "So schwer kann das doch nicht sein! Manchmal frage ich mich, wo die Leute ihren Führerschein gemacht haben. Die müssen doch nur die Schilder lesen", schimpft ein Anwohner, der die neue Regelung in der 30er Zone für richtig hält.

Eine Burgerin , die hier beinahe täglich vorbeikommt, ist da anderer Meinung. "Es ist noch viel schlimmer als vorher. Die hupen und rufen ständig. Keiner weiß mehr, was er tun soll." Einige Autofahrer scheinen die neu gewonnene Vorfahrt als Freifahrschein zu verstehen: "Die rasen hier einfach so durch", klagt die Dame weiter.

Auch Andreas Pichotka, Anwohner der Grünstraße, stimmt die neue Regelung sehr bedenklich. "Es ist ein verkehrsberuhigter Bereich, die Rechts-vor-links-Regelung an der Franzosenstraße war der letzte Zwang, dass sich Autofahrer an die 30 km/h gehalten haben. Jetzt habe ich Angst um meine Gesundheit und die Gesundheit der Kinder", sagt der Familienvater. Trotz der 30er Zone würden Autofahrer sich nicht an die Geschwindigkeit halten. "Bürgermeister und Polizei haben mir zugesichert, dort mal zu blitzen, doch das ist in den vergangenen drei Jahren meines Erachtens nicht passiert", blickt Pichotka zurück. Aufgrund des schmalen Fußweges müssten die Rollstuhlfahrer des dort in der Nähe befindlichen Seniorenheims die Fahrbahn nutzen. Und wegen der Kita seien auch viele Kinder unterwegs. "Ich hoffe, es muss nicht erst was passieren, bevor man sich mal Gedanken macht", sagt Pichotka.

Zehn Unfälle in den vergangenen drei Jahren

Die Initiative für die Änderung Verkehrsführung kam direkt von der Polizei, erklärt deren Pressesprecher Thomas Kriebitzsch: "Die Kreuzung ist ein Unfallschwerpunkt, dem wollen wir mit der neuen Regelung entgegenwirken." Unfallschwerpunkt bedeutet: Zwei Verkehrsunfälle im Jahr 2011, drei 2012 mit einem beteiligten Radfahrer und sieben im vergangenen Jahr - mit zwei beteiligten Radfahrern, von denen einer schwere Verletzungen davontrug. Die Kreuzung sei auch Thema in der Verkehrsunfallkommission des Landkreises gewesen, denn alle Unfälle ereigneten sich aufgrund von Vorfahrtsfehlern. Damit soll nun Schluss sein.

Für die Stadtverwaltung ist klar: "Auto- und Radfahrer werden sich erst einmal umstellen müssen", sagt Pressesprecher Bernhard Ruth. "Das dauert seine Zeit."

Und in der Tat: Vorsichtig, bis auf ein paar Ausnahmen, tasten sich die Auto- und Radfahrer an die Kreuzung ran. Noch traut dem Frieden kaum einer, noch wird Verkehrsteilnehmern, die aus der Franzosenstraße kommen, häufig die Vorfahrt gewährt, wie die Volksstimme beobachtete. Zum Teil stehen sich vier Autos gegenüber. Deren Halter versuchen, sich per Handzeichen zu verständigen, wer denn nun zuerst fahren darf.