Allein 189 Teilnehmer begleiteten Gommerns Wegewart Steffen Grafe im ersten Halbjahr auf seinen (Rad-)Wanderungen rund um die Stadt. Einheimische gehen genauso gerne auf Entdeckungstour wie auswärtige Gruppen.

Gommern l Die Distanz würde locker für eine Tour de France-Etappe reichen: 218 Kilometer ausgeschilderte Radwege gibt es in der Einheitsgemeinde Gommern. Ihren Zustand überprüft regelmäßig Steffen Grafe, der seit anderthalb Jahren ehrenamtlicher Wegewart der Stadt Gommern ist.

Dabei achtet er natürlich auch auf den Zustand der Ausschilderung. In letzter Zeit ist da weniger Vandalismus das Problem, sondern Diebstahl. Einige Wegweiser mussten schon mehrmals ersetzt werden, weil sich immer wieder ein Liebhaber fand, der wohl "Barockschloss" auch für sein Zuhause zutreffend fand.

Vom Osterspaziergang bis zur Vollmondwanderung hat Steffen Grafe im ersten Halbjahr 2014 die verschiedensten (Rad-)Wanderungen angeboten. Er war mit Magdeburger Studenten auf Schlosstour, stellte der Kirmesgemeinde Rimbach die Brücken der Umgebung vor und leitete die Kirchentour des Heimatvereins Gommern/Nedlitz.

Von Schlössertour bis zur Vollmondwanderung

Dass auch der Rennsteigverein (Sektion Neuhaus am Rennweg) die Brückenwanderung erleben wollte, beweist, dass Steffen Grafe seinen Kontakt in seine alte Heimat nicht hat abreißen lassen. Apropos Rennsteig. Beim 42. GutsMuths-Rennsteiglauf absolvierte er die 35 Kilometer Wanderstrecke. Es war inzwischen seine 16. Teilnahme.

Für seine Touren beschäftigt sich Steffen Grafe, der als Gästeführer im Tourismusverband Sachsen-Anhalt gelistet ist, intensiv mit der Geschichte und der Umgebung, so dass die Teilnehmer nicht nur Natur und frische Luft genießen können, sondern auch einen Mehrwert an Wissen mit nach Hause nehmen. Sind Kinder dabei, stellt er sich darauf ein.

Im ersten Halbjahr nahmen insgesamt 189 Frauen, Männer und Kinder an den Touren teil. Auswärtige nutzten ihren Aufenthalt in Gommern gern, um abends noch eine Stadtführung mitzumachen.

Neben den Touren, die Steffen Grafe über die Stadtinformation/ Wir für Gommern e.V. anbietet, hat er drei weitere Strecken zusammengestellt, die sich für Team- und Familienfeiern oder für Wandertage von Schulklassen eignen.

Da geht es über 16 Kilometer ab Gommern zum Kalten Bad bei Vogelsang über die Schäferbrücke, die Klusbrücke und die Dreibogenbrücke - verbunden mit Erläuterungen und einem Fragespiel.

Oder es wird über 18 Kilometer das Naherholungsgebiet erkundet mit Stopp an der dicksten Eiche der Region bei Ranies, am Pretziener Wehr und am Alten Steinabbaubahnhof am Blauen See.

Wessen Kondition auf dem Fahrrad noch ein paar Kilometer weiter reicht, kann auch bis nach Walternienburg radeln, dort die Wasserburg besichtigen und mit der Gierfähre nach Barby übersetzen.

Schöne Begebenheiten, die man nie vergisst

Wer noch überlegt, ob eine (Rad-)Wanderung das richtige für ihn ist, dem gibt Steffen Grafe seine eigene Erfahrung mit auf den Weg. "Wanderungen bringen viele Erlebnisse mit sich. Negative wie schlechtes Wetter oder schlechte Wege vergisst man schnell, aber einige schöne Begebenheiten kann man nie vergessen." Dazu gehört für ihn der Ausruf "Sie schickt der Himmel", den er bei einer Wanderung rund um das Eichsfeld hörte. Ausgesprochen hatte das Lob ein 70-Jähriger, der altersbedingt zum ersten Mal nicht mehr auf seine gewohnte Route in die Pilze aufbrechen konnte.

Von dort her kam aber gerade Steffen Grafe. Zusätzlich zu den vier faustgroßen Steinpilzen beladen mit einem schlechten Gewissen, weil er die Pilze abgeschnitten hatte, obwohl er nicht wusste, ob seine unbekannten Wirtsleute ihm am Abend das Zubereiten der Pilze ermöglichen würden. Also wollte er sie im nächsten Ort verschenken, und dort traf er auf den Mann, der angesichts des Pilzgeschenkes "Sie schickt der Himmel" rief.

Wer bei einer (Rad-)Wanderung des Wegewarts teilnehmen möchte, meldet sich in der Stadtinformation Gommer an. Das ist telefonisch unter (039200/783 00) oder per E-Mail an info@wirfuergommern.de möglich.