Die Frauenselbsthilfegruppe nach Krebs in Burg bietet Unterstützung, wenn der Krebs eigentlich geheilt ist. Das Schicksal Krebs bleibt für immer. Neuen Mut wollen die schenken, die den Kampf gewonnen haben, egal ob vor 25 oder vor fünf Jahren.

Burg l Dass die Ärzte Jutta Flögel eine Brust amputiert haben, sieht man ihr nicht an. Ein Silikonkissen versteckt sich jetzt da, wo ein Tumor 2009 ihren Körper erobern wollte.

Sie sitzt zusammen mit anderen Frauen, die ein ähnliches Schicksal teilen wie sie. Die "Frauenselbsthilfe nach Krebs Gruppe Burg" trifft sich jeden ersten Montag im September. Bei diesem Treffen darf sich Jutta Flögel über Geburtstagsglückwünsche freuen. Zwei Tage vor dem Treffen feierte sie mit Freunden und Familie ihren 60. Geburtstag.

Eine Feier, an die sie im Februar 2009 nie gedacht hätte. Mit der Erkrankung habe ich gelernt, wie wichtig ich meiner Familie bin", erinnert sich die Mutter zweier Kinder.

"Die Diagnose hat mir die Beine weggerissen", erzählt die Frau mit der Kurzhaarfrisur weiter. Erst jetzt nach fünf Jahren sind die Wirkungen der Chemotherapie nicht mehr zu sehen. "Meine Haut war wie ein Spiegel. Keine Haare, keine einzige Unreinheit", sagt die 60-Jährige.

Rund 35 Teilnehmerinnen kommen zu den Treffen

Den Mut über die Krankheit zu erzählen, hat sie auch Dank der Burger Gruppe Frauenselbsthilfe nach Krebs. Seit 2011 besucht sie die regelmäßigen Treffen. Gut 35 Betroffene kommen hier regelmäßig zusammen, um sich auszutauschen. Sie singen, essen Kuchen, feiern Geburtstage, reden nicht die ganze Zeit über die Krankheit, die sie alle besiegt haben.

Das ist auch ein Verdienst von Waltraud Schröder. Die 75-Jährige hat die Gruppe 1990 gegründet. Ein Jahr nachdem sie selbst der Diagnose Brustkrebs gegenüber stand. Auch sie ist brustamputiert so wie Jutta Flögel.

"Nach der Wende gab es in der Poliklinik eine Gruppe für Krebskranke. Wir sollten alle nacheinander von unserer Krankheit erzählen. Als ich an der Reihe war, musste ich weinen", erzählt Waltraud Schröder. "So wollte ich das nicht". Sie bot den Frauen einen Platz "für die Seele", wie sie sagt. Bis 2005 leitete sie die Gruppe.

"Ich weiß, in welchem Loch ich war", erzählt die 75-Jährige. Sie wollte anderen die Ängste vor der Krankheit nehmen. "Leben wollen", das war damals ihr Motto. "Und das ist es heute immer noch." Die ehemalige Lehrerin aus Theeßen wollte bei der Gründung der Selbsthilfegruppe anderen einfach nur Hoffnung geben. Das macht sie auch heute noch.

Die Teilnehmerinnen drücken sie herzlich zur Verabschiedung, kommen auf sie zu und vertrauen ihr ihre Sorgen an. Sie hört einfach nur zu, blickt dem Gesprächspartner tief in die Augen. Immer mit einem freundlichen Lächeln.

Neuankömmlinge in der Selbsthilfe werden von Bettina Brandt an die Hand genommen. Sie ist seit dem Frühjahr zusammen mit Christl Thiele Gruppenleiterin der Selbsthilfe. Bettina Brandt hat Lymphknoten- und Darmkrebs überlebt, ihre Stellvertreterin, Christl Thiel, Brustkrebs. "Doch geheilt, heißt noch lange nicht wieder gesund zu sein", sagt die Magdeburgerin Bettina Brandt. Fünf Jahre nachdem Krebspatienten von Ärzten als geheilt entlassen werden, bleibe die Krankheit ein ständiger Begleiter. "Viele fühlen sich allein gelassen", weiß die 68-Jährige. Die Selbsthilfegruppe soll sie "auffangen, begleiten und informieren", so heißt es auf den Flyern.

Feiern könnte da auch stehen. Bei jedem Treffen wird für die Geburtstagskinder des Monats gesungen. Christl Thiele prostet den Damen zu, blickt in die Runde und sagt: "Trinken wir auf die Gesundheit."