Hinter dem Ortseingangsschild das Auto noch ausrollen lassen? In Menz, Wahlitz und Vehlitz blinken Geschwindigkeitsinformationstafeln rot auf, wenn man schneller als erlaubt fährt.

Wahlitz/Menz/Vehlitz l Von den Anwohnern hat der Wahlitzer Ortsbürgermeister Reinhard Dame bislang nur positives gehört. Die Geschwindigkeitsinformationstafeln sorgten dafür, dass die Autofahrer bewusst langsamer in den Ort hineinfahren. "Die Tafeln machen sich auf jeden Fall bemerkbar", sagte der Ortschef beim Vor-Ort-Termin mit Andreas Sosniczka, Vorsitzender der Rettungsstiftung Jürgen Pegler e.V., Gommerns Bürgermeister Jens Hünerbein und Kerstin Dömeland vom städtischen Ordnungsamt.

Durch die Volksstimme-Berichterstattung zu den schweren Unfällen in Wahlitz, als unter anderem eine Fußgängerin beim Überqueren der B 184 von einem Auto erfasst und getötet wurde, war die Pegler-Rettungsstiftung auf die Situation aufmerksam geworden und an die Stadt herangetreten.

Jens Hünerbein ist über die Unterstützung sehr froh. Schließlich stellt die Stiftung die Geschwindigkeitsinformationstafeln kostenlos zur Verfügung. Die Stadt musste sich nur um die Installation an den Straßenlaternen kümmern und trägt die Stromkosten, die sich pro Anlage auf etwa 15 bis 25 Euro im Jahr belaufen.

Die Tafeln zeigen bis 50 km/h in großen grünen und ab 51 km/h in großen roten Zahlen den Autofahrern ihre Geschwindigkeit an. Sie sind zugleich eine Statistik-Maschine. Andreas Sosniczka überreichte an Kerstin Dömeland die Software, mit der die Daten ausgelesen werden können. Wie viele Fahrzeuge passieren die jeweiligen Tafeln in einer Stunde? Wie viele Fahrer sind zu schnell? Wie hoch liegt die höchste Geschwindigkeit? Wann gibt es das größte Verkehrsaufkommen?

"Uns ist es wichtig, die Geschwindigkeit dauerhaft zu senken", sagte Andreas Sosniczka. Zwar gebe es einen gewissen Gewöhnungseffekt und auch Autofahrer, die sich von den rot blinkenden Zahlen nicht beeindrucken ließen, aber insgesamt habe man mit den Tafeln gute Erfahrungen gesammelt.

In Wahlitz stehen die Geschwindigkeitsinformationstafeln jeweils an den Ortseingängen entlang der B 184. "Die Standorte sind gut gewählt", sagte Reinhard Dame. In Menz befinden sich beide auf Höhe der Bushaltestelle an der B 184. Die Standortwahl hing zum einen mit dem Projekt "Sicherer Schulweg", zu dem die Infotafeln gehören, zusammen und zum anderen benötigt die Technik eine gewisse Streckenlänge, um die Geschwindigkeit der Fahrzeuge zu ermitteln. Außerdem sollen die Autofahrer noch reagieren können, wenn sie sehen, dass die Zahlen rot statt grün blinken.

Die fünfte Tafel ist in Vehlitz montiert. Dort verführt die lange Gerade stärker aufs Gaspedal zu drücken, als es innerorts erlaubt ist.

"Das ist für uns ein wichtiger Schritt nach vorn in Sachen Verkehrssicherheit", sagte Jens Hünerbein. Er erinnerte, dass die Verkehrszählung in Wahlitz ergeben hatte, dass nicht genügend Menschen die B 184 überqueren, um einen Fußgängerüberweg anzulegen.

Auch wenn Gommern mit fünf Geschwindigkeitstafeln schon gut ausgestattet ist, kann die Stadt weiterhin Wünsche an die gemeinnützige Rettungsstiftung stellen. Diese kann sie allerdings nur nach ihren Mitteln erfüllen. Ganz oben auf des Bürgermeisters Wunschliste steht die Nordhausener Straße in Gommern, ebenfalls ein Schulweg. Jens Hünerbein verspricht sich von einer Tafel, dass die Autofahrer dort sinniger reinfahren.

Mindestens drei Jahre bleiben die fünf Geschwindigkeitsinformationstafeln jetzt an ihren Standorten, vermutlich aber länger. "Wir haben Standorte mit Nachhaltigkeit ausgewählt", sagte Andreas Sosniczka.