Wer Blutkrebs hat, dem hilft oft nur noch eine Blutstammzellenspende. In Magdeburg wurde am Sonnabend für das todkranke Mädchen Ella ein Lebensretter gesucht. 442 potenzielle Spender beteiligten sich an der Typisierungsaktion. Ob ein passender "genetischer Zwilling" darunter ist, steht frühestens in zwei Wochen fest.

Magdeburg/Biederitz l Für die einjährige Ella wird ein Knochenmarkspender gesucht. Das kleine Mädchen leidet an Leukämie und wird ohne einen Spender sterben (Volksstimme berichtete). 442 Personen haben sich am Sonnabend für die Knochenmark-Spender-Datei registrieren lassen. Die Biederitzerin Alexandra-Doreen Koch organisierte die Aktion für eine mögliche Stammzellentransplantation. Während einer Schwangerenkur im vergangenen Jahr hat sie Ella und ihre Mutter Hazel Tonne kennengelernt. Als sie erfährt, dass Ella in den nächsten vier Wochen in jedem Fall eine Stammzellentransplantation benötigt, nimmt sie Kontakt zur Uniklinik und dem Plasmazentrum Magdeburg auf.

"Bereits im Vorfeld hat uns der Landesfeuerwehrverband Sachsen-Anhalt und die Jugendfeuerwehr Olvenstedt tatkräftig unterstützt. Plakate verteilt und über soziale Netzwerke den Termin verbreitet", erzählt Koch.

Neun Stunden lang konnten sich Spendenwillige am Sonnabend typisieren lassen. Schüler des Domgymnasiums, die selbst nicht spenden durften, versuchten die Leute am Alten Markt zum Spenden zu motivieren. Doch nicht jeder Angesprochene hatte Lust auf den kurzen Piks, mit dem man vielleicht zum Lebensretter wird, zeigt sich Alexandra Doreen Koch enttäuscht von der fehlenden Spendenbereitschaft.

Das Verfahren ist denkbar einfach: Nach einer medizinischen Aufklärung werden den Spendewilligen ein paar Milliliter Blut abgenommen. Eine Minutensache. Das Blut geht dann in ein Labor, wo es untersucht und die Merkmale anschließend in die Spenderdatei eingetragen werden. Keine große Sache für Katja und Markus Hopp. Sie haben selbst ein kleines Kind. Bedenken wegen möglicher Nebenwirken einer Knochenmark-Spende haben sie nicht. "So groß kann das Risiko nicht sein, um nicht helfen zu wollen", erzählt Katja Hopp. Keine zehn Minuten später ist das Ehepaar wieder zur Tür hinaus. Auch Michaela Wolfram will helfen. Im Gepäck hat sie ihren dreijährigen Sohn Tobi, der ist natürlich neugierig als der Mama Blut abgenommen wird. Fast ein Familienausflug ist es bei Birgit Grumpelt. Sie ist mit ihrer Tochter und ihren Mann in die Uniblutbank gekommen. "Wenn man selbst betroffen ist, erwartet man ja auch, das einen geholfen wird", sagt sie.

Obwohl die Datenbank des Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschlands (ZKRD) bereits 5,5 Millionen Spender umfasst, ist bisher kein passender dabei, der den genetischen Merkmalen von Ella entspricht.

Die meisten Spendenwilligen werden Zeit ihres Lebens nicht für eine Spende aktiviert werden, erklärt Prof. Dr. med. Marcell U. Heim, Direktor des Instituts für Transfusionsmedizin. "Die Chance, einen Spender zu finden, ist gering, aber wir wollen nichts unversucht lassen." Es kommt nur sehr selten vor, dass zwei Menschen nahezu identische Gewebemerkmale haben. Die Suche ist aber auch deshalb so schwer, weil noch immer viel zu wenig Menschen als potenzielle Stammzellspender zur Verfügung stehen, denn wer sich nicht in eine Spenderdatei aufnehmen lässt, kann nicht gefunden werden.

"Je mehr sich für die Knochenmarkspenderdatei typisieren ließen, desto größer seien die Chancen für Ella", erklärt Alexandra-Doreen Koch. Selbst wenn man niemand Geeigneten fände, sind die Ergebnisse der Typisierung nicht verloren. Sie würden in ein weltweites Register eingestellt und mit den Informationen anderer an Leukämie erkrankter Menschen abgeglichen.

Rund zwei bis drei Wochen wird die Auswertung der Typisierung dauern. Erst dann weiß man, ob in Magdeburg ein passender Spender für Ella gefunden wurde.